Die Ölpreise geben zum Wochenschluss etwas nach, weil wieder mehr Tanker durch die Straße von Hormus fahren und Anleger Gewinne mitnahmen. Bei Diesel und Gasöl bleibt die Lage dagegen angespannt. In Deutschland kommt dazu, dass, dass der Rhein so wenig Wasser führt wie seit Jahren nicht mehr. Die Heizölpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehen auf festem Niveau ins Wochenende.
An den Börsen zeigt sich am Freitag ein geteiltes Bild. Brent, das Öl aus der Nordsee, notiert bei 88,63 US-Dollar je Barrel und damit etwas schwächer. Die US-Sorte WTI verliert deutlicher und liegt bei 82,92 US-Dollar. Gasöl, das an der Londoner Terminbörse ICE gehandelte Mitteldestillat und wichtigste Bezugsgröße für Heizöl, hält sich mit 1.292,25 US-Dollar je Tonne knapp im Plus.
Dass die Rohölsorten nachgeben, liegt vor allem an der Schifffahrt. Durch die Straße von Hormus, die wichtigste Öltransportroute der Welt, fahren wieder mehr Tanker, obwohl sich die USA und der Iran am Donnerstag erneut angriffen. Die US-Marine geleitet nach US-Angaben inzwischen Öl- und Gasfrachter durch die Meerenge. Saudi-Arabien wirbt zugleich bei mehr als vierzig Staaten für eine Allianz, die den Seeweg gegen die Blockade der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz absichern soll. Das nimmt etwas Druck aus dem Markt. Ein deutlicher Risikoaufschlag bleibt aber in den Preisen enthalten.
Das größte Signal kam über Nacht aus Washington. US-Präsident Donald Trump verkündete eine Einigung über die vollständige Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen und einen Rückzug israelischer Truppen. Ein hoher Hamas-Vertreter bestätigte dem britischen Sender BBC die Zustimmung, eine offizielle Erklärung steht noch aus. Israel schwieg zunächst. Aus der Regierung kamen skeptische Töne. Eine echte Deeskalation im Nahen Osten wäre die stärkste Entlastung für den Ölmarkt seit Kriegsbeginn. Noch ist offen, ob die Zusage trägt. Die Preise reagierten bislang verhalten.
Indes wurden die kasachischen Ölexporte am Schwarzen Meer nach neuen Angriffen auf Tanker erneut gestoppt. Allein in diesem Monat traf es dort neun Schiffe. Auf der Produktseite bleibt es knapp, da Russland seine Ausfuhrverbote für Benzin und Diesel verlängert hat. Zudem teilte das US-Energieministerium am Mittwoch mit, dass die US-Lagerbestände zuletzt weiter gesunken sind. Bei den Mitteldestillaten warnt die Investmentbank Goldman Sachs vor einer akuten Knappheit am Weltmarkt. Genau das stützt Gasöl, während die Rohölpreise nachgeben konnten. Unterm Strich steuern die Ölbörsen auf den kräftigsten Monatsgewinn seit dem Frühjahr zu.
Der Liter Heizöl kostet in Deutschland heute im Schnitt 1,33 Euro. Über den Juli hinweg ist der Preis Schritt für Schritt geklettert und liegt inzwischen über 20 Prozent über dem Tief von Mitte Juni. Damit kostet Heizöl aktuell so viel wie Anfang Mai und erreicht heute ein Zweimonatshoch in Deutschland. Vor allem die hohen Gasölpreise halten den flüssigen Brennstoff fest im Sattel. Das andere Problem wartet direkt vor der Haustür. Der Rhein führt an der Engstelle Kaub bei Koblenz so wenig Wasser wie seit Jahren nicht. Der Pegel liegt schon jetzt unter der kritischen Marke von 32 Zentimetern, ab der der Großteil der Tanker nicht mehr bzw. mit weniger Fracht fahren kann. Am heutigen Freitag liegt der Wasserstand in Kaub laut dem WSV bei etwa 26 Zentimetern. Die Frachtraten von Rotterdam nach Karlsruhe sind mittlerweile auf ein Rekordniveau gesprungen, was die Preise für die Fracht ebenfalls anziehen lässt. Zudem könnten Benzin und Diesel knapp werden, wenn die Temperaturen weiter so hoch bleiben.
In Österreich kostet der Liter im Schnitt 1,64 Euro, in der Schweiz liegt der Durchschnitt bei 1,45 Franken. Auch dort werden mit den jüngstem Wochenanstieg wieder Mai-Stände erreicht. Wer bald bestellen muss, sollte sich einen Maximalpreis setzen, zu dem gekauft wird. Denn Entspannung ist aktuell nicht in Sicht.