Am Ölmarkt hat sich die Preisschere zwischen Rohöl und Ölprodukten weiter geöffnet. Gasöl legte am Dienstag weiter zu, während Brent und WTI schwächer aus dem Handel gingen. Die Produktknappheit durch Hitzewellen, Raffineriestreiks und der Treibstoffengpässe Russlands hält an und zieht auch die Heizölpreise im Inland mit nach oben. Am Vormittag ist Heizöl im Vergleich zu gestern durchschnittlich zwei Cent bzw. Rappen je Liter teurer.
Die Rohölpreise blieben gestern in enger Spanne, gerieten aber wegen des zunehmenden Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus in Richtung Handelsschluss unter Druck. Vor allem WTI rutschte zum Abend hin deutlich ab. Dagegen legte Gasöl an der Londoner ICE kräftig zu und schloss bei über 930 US-Dollar pro Tonne. Diese Schere zwischen Rohöl und fertigen Ölprodukten ist das bestimmende Thema dieser Tage. Hitzewellen in Europa und den USA treiben die Nachfrage nach Kraftstoffen und Klimatisierung, Raffineriestreiks in Norwegen und im belgischen Antwerpen verknappen das Angebot. Dazu kommt die Treibstoffknappheit in Russland, gepaart mit Exportstopps von Kerosin und Benzin. Die Kraftstoffversorgung in Russland ist mittlerweile so angespannt, dass Tankstellen dort teilweise leerbleiben.
Die für gestern angesetzten Gespräche in Doha brachten am Dienstag ein erstes Ergebnis, wenn auch ein bescheidenes. Die US-Delegation um den Sondergesandten Steve Witkoff führte ihre Gespräche ausschließlich über katarische Vermittler, ohne direkten Kontakt zur iranischen Seite. Von amerikanischer Seite hieß es, die Gespräche seien positiv verlaufen. Teheran und Gastgeber Katar betonten allerdings ausdrücklich, dass kein direkter Kontakt stattgefunden habe. Laut US-Vizepräsident Vance fließt durch die Straße von Hormus inzwischen wieder so viel Öl wie vor dem Krieg. Das klingt nach Entwarnung, doch Teheran treibt seine Pläne für Transitgebühren und eine eigene Kontrolle der Meerenge weiter voran. Die 60-Tage-Frist für gebührenfreie Durchfahrt läuft, zentrale Fragen wie das iranische Atomprogramm bleiben aber weiter ungelöst.
Zudem hatte das private American Petroleum Institute (API) seine wöchentlichen Bestandsschätzungen veröffentlicht. Demnach sollen die Rohölvorräte um 6,1 Millionen Barrel geschrumpft sein, doppelt so stark wie erwartet. Auch die Benzinbestände gingen stärker zurück als prognostiziert. Bei den Destillaten zeigte sich dagegen ein deutlicher Aufbau. Im Zentrallager Cushing in Oklahoma, wo die Vorräte zuletzt unter die kritische Marke von 20 Millionen Barrel gefallen waren, meldete das API erstmals seit neun Wochen einen leichten Anstieg. Ob die offiziellen Zahlen des US-Energieministeriums das bestätigen, zeigt deren Bericht heute Nachmittag.
In Deutschland klettert der Heizölpreis mit dem heutigen Anstieg auf den höchsten Stand seit zwei Wochen. Vor allem die gestiegenen Gasölpreise schieben Heizöl auf das Niveau von Mitte Juni zurück. Das Preisgefälle innerhalb Deutschlands bleibt dabei bestehen. Im Südwesten zahlen Verbraucher mit durchschnittlich 1,11 Euro je Liter am wenigsten. Im Norden sieht es wie in den vergangenen Monaten gewohnt teurer aus. In Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein kostet der Liter derzeit über 1,18 Euro. Für eine 3.000-Liter-Bestellung macht das einen Unterschied von über 200 Euro.
In Österreich steht der Durchschnitt bei 1,29 Euro pro Liter, in der Schweiz bewegen sich die Heizölpreise in Richtung 1,16 Franken. Die Marktbeobachtung hat mit dem Richtungswechsel spürbar zugenommen. Verbraucher schauen genauer hin, und das ist angesichts der aktuellen Lage auch sinnvoll. Zumindest, wenn bald getankt werden muss.