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Heizölpreise beenden turbulente Woche teurer

Was sich seit Tagen abzeichnete, ist eingetreten. Der Brent-Preis hat erstmals seit Ende Mai wieder dreistelliges Terrain erreicht, ehe zum Wochenschluss eine Verschnaufpause einsetzte. Durch die Straße von Hormus fährt praktisch kein Tanker mehr, und aus Washington kommen widersprüchliche Signale zwischen Großangriffsdrohung und Mäßigung. Die Heizölpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz steigen heute nochmals deutlich.

Am Donnerstagnachmittag kletterte ein Barrel der Nordseesorte Brent über die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar, zum Handelsschluss hielt der Sprung allerdings nicht ganz. Am Freitagmorgen kostet das Barrel 99,24 US-Dollar, auf Wochensicht steuert der Kontrakt damit auf ein Plus von rund 13 Prozent zu. Die amerikanische Sorte WTI notiert bei 90,79 US-Dollar. Gasöl, der für den europäischen Heizölmarkt entscheidende Terminkontrakt an der Londoner ICE, gibt nach dem gestrigen Kurssprung auf 1.267,25 US-Dollar je Tonne nach. Der Euro zeigt sich von der Zinspause der Europäischen Zentralbank unbeeindruckt und hält sich wie schon die gesamte Woche bei 1,14 US-Dollar.

Wie ernst die Versorgungslage geworden ist, zeigen die Schiffsdaten. Durch die Straße von Hormus fuhr am Donnerstag laut dem Analysehaus Kpler genau ein einziger Öltanker, so wenige wie seit Anfang Mai nicht, und kein einziges Schiff lief in die Meerenge ein. Am Roten Meer erholte sich der Verkehr nach den Tankerangriffen dagegen leicht, die Zahl der Passagen durch Bab el-Mandeb stieg wieder von 26 auf 32. Saudi-Arabien arbeitet unterdessen an einem Ausweichplan und will Öl künftig über einen ägyptischen Mittelmeerhafen exportieren.

Aus Washington kommen derweil gemischte Töne. US-Präsident Donald Trump drohte den Huthi und dem Iran mit einer „bedeutenden militärischen Bestrafung" und erklärte gegenüber dem Portal Axios, bei einem Großangriff auf den Iran stehe er „kurz vor einer Entscheidung". Sein Außenminister Marco Rubio schlug versöhnlichere Töne an und äußerte die Hoffnung, die Miliz stelle ihre Attacken ein. Das Repräsentantenhaus verabschiedete zugleich eine Resolution für ein Ende des Militäreinsatzes, rechtlich unverbindlich, aber ein deutliches Signal mit Blick auf die Zwischenwahlen im Herbst. Die US-Streitkräfte flogen dennoch die dreizehnte Angriffswelle in Folge, und Analysten warnen, die drohenden Lieferausfälle seien inzwischen größer als zu jedem Zeitpunkt seit Kriegsbeginn. Bei weiterer Eskalation halten Marktbeobachter Kurse von 110 bis 120 US-Dollar für möglich, spätestens dann dürfte allerdings die Nachfrage einbrechen und die Rally von selbst bremsen.

Abseits des Nahen Ostens bleibt die Lage ebenfalls angespannt. Kasachstan musste die Förderung an seinem größten Ölfeld Tengiz um mehr als die Hälfte drosseln, weil das beschädigte Exportterminal am Schwarzen Meer weiter kein Öl annimmt, rund zwei Prozent des weltweiten Angebots hängen an dieser Route. Die EU-Staaten einigten sich zugleich auf ihr einundzwanzigstes Sanktionspaket gegen Russland.

Die Heizölpreise im Inland haben den gestrigen Kurssprung erst zum Teil verdaut und legen kräftig nach. In Deutschland springt der Bundesschnitt um anderthalb Prozent auf 1,36 Euro je Liter. In Österreich klettert der Landesmittelwert auf 1,59 Euro, den stärksten Anstieg verzeichnet die Schweiz mit einem Plus von fast vier Prozent auf 1,46 Franken. Ein kleiner Lichtblick zeigt sich in der Prognose, die für morgen erstmals seit Tagen ein leichtes Minus andeutet, weil die Börsen zum Wochenschluss den Fuß vom Gas nehmen. Die Nachfrage bleibt auffallend ruhig, auf diesem Niveau bestellt offenbar nur, wer wirklich muss.

Die Wochenbilanz fällt für Verbraucher ernüchternd aus. Seit Montag hat sich Heizöl in Deutschland um gut drei Prozent verteuert, in der Schweiz um knapp fünf Prozent. Gemessen am Rohöl, das im selben Zeitraum um gut neun Prozent zulegte, ist im Inland allerdings noch längst nicht alles angekommen.

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