Die Ölpreise sind gestern deutlich gefallen, nachdem die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran recht versöhnlich verliefen und Washington Teheran eine vorläufige Ausnahme von den Ölsanktionen eingeräumt hat. Der Optimismus an den Börsen breitet sich weiter aus und zeigt sich auch im Inland. Heizöl folgt nach unten und kostet im DACH-Raum heute durchschnittlich 0,6 Cent bzw. drei Rappen je Liter weniger als gestern.
Die Nordseesorte Brent startete den Dienstag bei 76,76 US-Dollar je Barrel, die amerikanische Ölsorte WTI gibt auf 72,80 US-Dollar nach, ein Minus von knapp zwei Prozent. Der Montag hatte noch verhalten begonnen, bevor am Nachmittag die Sanktionsmeldung die Kurse auf Tagestiefs drückte.
Washington räumte dem Iran für 60 Tage eine Ausnahme von den Ölsanktionen ein, passend zur laufenden Verhandlungsphase. Iranisches Öl und Petrochemieprodukte dürfen damit wieder frei gehandelt werden. Die US-Regierung begründete den Schritt mit den Fortschritten auf dem Bürgenstock.
Die Verhandlungen haben dabei tatsächlich Struktur bekommen. Irans Vizeaußenminister Gharibabadi legte am Montag die vereinbarte Architektur offen. Vier thematische Gruppen sollen sich um Sanktionen, das Atomprogramm, wirtschaftlichen Wiederaufbau und die Umsetzungskontrolle kümmern. Zwei weitere Gremien befassen sich mit der sicheren Schifffahrt durch die Meerenge und der Lage im Libanon. Den Überblick behält eine hochrangige Runde, zu der neben den iranischen Verhandlungsführern auch US-Vizepräsident Vance sowie die Regierungschefs Pakistans und Katars gehören. Zusätzlich wurden eingefrorene iranische Guthaben in erheblichem Umfang freigegeben, aufgeteilt in zwei gleichgroße Tranchen.
Nach dem Ende der Schweizer Runde flog die iranische Delegation direkt nach Maskat weiter. Ghalibaf und Araghchi trafen dort den omanischen Außenminister, um die künftigen Regeln für die Durchfahrt durch die Meerenge zu besprechen. Der Oman als direkter Anrainer spielt dabei eine wichtige Vermittlerrolle.
Der Libanon bleibt allerdings Wackelkandidat bei den Verhandlungen. Israels Finanzminister Smotrich machte klar, was Jerusalem von einem Truppenabzug aus dem Südlibanon hält: nichts. Solange die Hisbollah als Organisation weiter existiere, politisch wie militärisch, sei ein Rückzug ausgeschlossen. Amerikanischen Erwartungen in diese Richtung begegnet er mit offener Ablehnung. Das schafft ein strukturelles Problem für den Friedensprozess, denn Teheran besteht auf einem vollständigen Waffenstillstand im Libanon als Bedingung für weitere Gespräche.
Auf der Angebotsseite verdichten sich die Signale, dass der Markt wieder besser versorgt wird. Produzenten rund um den Persischen Golf haben ihre Liefermengen hochgefahren, der Iran exportiert wieder in erheblichem Umfang. Länder wie Libyen haben die Lücke der vergangenen Monate genutzt und ihre eigene Produktion ausgebaut.
Und auch am Heizölmarkt im Inland ist wieder Optimismus da. Nach dem jüngsten Aufwärtsschlenker haben sich die Heizölpreise schnell besonnen und sind zurück in ihrer Spur. In Deutschland sind die Bewegungen zwar etwas zögerlicher geworden, dennoch deuten sich heute leichte Abschläge an. Heizöl kostet aktuell knapp 1,10 Euro je Liter. Wer auf den nächsten Schub nach unten wartet, braucht noch etwas Geduld. Die Richtung stimmt zwar, aber das Tempo noch nicht.
Anders ist das Bild in der Schweiz. Dort gehen die Preise mit durchschnittlich drei Rappen je Liter spürbar zurück und liegen aktuell knapp unter 1,08 Franken je Liter. In Österreich hält sich der Preis dagegen etwas hartnäckiger und notiert bei gut 1,30 Euro je Liter, in etwa wie gestern.
Der Blick auf alle drei Märkte zeigt: Die Preiskorrektur läuft, aber nicht gleichmäßig. Wer den Sommer nutzen und vor der Heizsaison nachfüllen will, findet gerade solide Einstiegsbedingungen vor. Mit Lieferfristen von durchschnittlich drei Wochen lässt sich eine Bestellung gut vorausplanen.