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Ölpreise treten auf die Bremse

Nach Tagen mit kräftigen Aufschlägen verliert der Aufwärtstrend an Kraft. Volle US-Lager und ein deutliches Zinssignal der US-Notenbank drücken die Notierungen, dazu kommen Anzeichen, dass Saudi-Arabien einen Teil seiner Exportkapazität bald zurückgewinnt. Die Heizölpreise in Deutschland, und Österreich bewegen sich am Vormittag kaum. In der Schweiz können diese deutlich abgeben.

Der Handel am Mittwoch endete mit deutlichen Verlusten. Die Nordseesorte Brent kostet am Donnerstagvormittag 104,47 US-Dollar je Barrel, die amerikanische Sorte WTI 101,44 US-Dollar, beide gut ein bis anderthalb Prozent schwächer. Der Gasölkontrakt für Oktober, an der Terminbörse ICE gehandelt und die Leitgröße für den europäischen Heizölmarkt, ging am Mittwoch mit einem Minus von 30,25 US-Dollar aus dem Handel und notiert heute früh bei 1.507,50 US-Dollar.

Den ersten Anstoß gaben die US-Lagerdaten. Der Branchenverband American Petroleum Institute hatte am Dienstagabend bereits einen überraschend deutlichen Bestandsaufbau in allen Kategorien gemeldet, am Mittwochnachmittag bestätigten die Zahlen des US-Energieministeriums die Erholung bei den Kraftstoffbeständen zum Teil. Die Notierungen rutschten daraufhin ab. Meldungen über einen iranischen Angriff auf ein US-beauftragtes Schiff und über einen Huthi-Angriff auf eine Ölanlage im saudischen Yanbu drehten die Bewegung schnell wieder, auch zwei Raffinerieausfälle in Russland stützten dann wieder die Preise.

Aus Washington kam aber dann der zweite Dämpfer. Die US-Notenbank Fed hob ihren Leitzins an und kündigte dabei unerwartet deutlich weitere Schritte bis zum Jahresende an. Diese klare Linie trieb den US-Dollar kräftig nach oben, und ein starker US-Dollar verteuert Öl für Käufer aus anderen Währungsräumen. Höhere Zinsen bremsen längerfristig auch die Wirtschaft und die Ölnachfrage. Der Kongress gab zudem ein Gesetz frei, das US-Präsident Donald Trump Zölle gegen Käufer russischer Ölprodukte erlaubt, betroffen sein könnten demnach China und Indien.

Dazu kamen Meldungen zur saudische Ost-West-Pipeline. Das Königreich hatte die rund 1.200 Kilometer lange Trasse Ende vergangener Woche nach Drohnenangriffen vorsorglich abgeschaltet. Sie führt von den Ölfeldern im Osten zum Terminal Yanbu am Roten Meer und umgeht damit die blockierte Straße von Hormus. Insidern zufolge soll etwa die Hälfte der Kapazität innerhalb weniger Tage wieder anlaufen, indem ein beschädigter Abschnitt provisorisch umgangen wird, die vollständige Wiederinbetriebnahme dürfte rund sechs Wochen dauern. Aramco und das saudische Energieministerium äußern sich dazu nicht. Für asiatische Kunden lässt der Konzern Rohöl vor dem omanischen Hafen Sohar auf andere Tanker verladen.

Im Inland ist die jüngste Aufwärtsbewegung erst einmal gestoppt. In Deutschland kostet der Liter Heizöl heute im Bundesschnitt 1,79 Euro und damit praktisch so viel wie gestern. Nach zwei Wochen mit täglich neuen Preisaufschlägen ist das die erste Atempause.

Wer im Süden bestellt, merkt allerdings etwas anderes. Dort ist die Nachfrage in dieser Woche sprunghaft gestiegen, weil viele nach den Angriffen auf die saudische Pipeline weitere Preissteigerungen befürchten und ihre Tanks jetzt noch vor Beginn der offiziellen Heizperiode füllen. Nach der schwachen Nachfrage in den Sommermonaten trifft die plötzliche Bestellwelle auf ein Angebot, das darauf nicht eingestellt war. Das kann zudem zu längeren Lieferzeiten führen.

In Österreich liegt der Tagesschnitt bei 1,92 Euro je Liter und damit auf dem höchsten Stand des Jahres. Österreichische Kunden zahlen rund 13 Cent je Liter mehr als deutsche, ein Abstand, der sich seit Wochen kaum verändert hat. In der Schweiz ist die Kurve dagegen bereits gekippt. Nach einem Hoch von knapp 1,69 Franken am vergangenen Montag kostet der Liter heute noch 1,64 Franken. Das bildet Raum, um auf weiter sinkende Preise zu spekulieren.

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