Ein mögliches Treffen zwischen Donald Trump und Irans Präsident Massoud Peseschkian am Rande der UN-Vollversammlung in New York sorgt zum Wochenauftakt für etwas Erleichterung an den Ölmärkten. Die Heizölpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben nach dem deutlichen Anstieg in der vergangenen Woche weiter nach.
Die neue Handelswoche beginnt mit roten Vorzeichen an den Terminbörsen. Die Nordseesorte Brent verliert knapp 2,5 Prozent auf 100,84 US-Dollar pro Barrel, die amerikanische Sorte WTI gibt rund 1,70 Prozent auf 97,86 US-Dollar nach und fällt damit unter die Marke von 100 US-Dollar, die den Markt in der vergangenen Woche noch getragen hatte. Am stärksten trifft es Gasöl, das an der Londoner Terminbörse ICE gehandelte Mitteldestillat, das den Heizölpreisen die Richtung vorgibt. Dort stehen über drei Prozent Minus auf 1.441,25 US-Dollar pro Tonne zu Buche. Der Euro liegt mit 1,1479 US-Dollar nahezu unbewegt. Ausschlaggebend ist die Hoffnung, dass die Diplomatie in New York in dieser Woche eine Wende bringen könnte. Zusätzlich drückt die jüngste Zinserhöhung der US-Notenbank Fed, die von Marktteilnehmern als Ankündigung eines weiteren Schritts vor Jahresende gelesen wird.
Aus Washington kam am Samstag Zuversicht. Das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando Centcom meldete am Samstag, der Öl- und Flüssiggastransport durch die Straße von Hormus habe in den vergangenen zwei Wochen den höchsten Stand seit einem halben Jahr erreicht, die wichtigsten Routen seien minenfrei. Die Schiffsdaten vom Wochenende sind weniger optimistisch. Zwölf Rohstofffrachter passierten die Meerenge zwischen Freitag und Sonntag, vor Kriegsbeginn Ende Februar täglich rund 125. Solange sich daran nichts Grundlegendes ändert, bleibt die Passage faktisch lahmgelegt. Saudi-Arabien schickt sein Öl trotzdem wieder verstärkt hindurch, weil die eigene Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen der Huthi-Miliz ausfällt. Die Ausfuhren des Königreichs liegen im September bei über vier Millionen Barrel pro Tag, nach 2,4 Millionen im August.
Aus Teheran kam am Morgen die nächste Eskalationsdrohung. Sollten die USA erneut angreifen, werde sich sowohl das Waffenarsenal als auch die Geografie des Krieges ändern, ließen die iranischen Revolutionsgarden IRGC über die Nachrichtenagentur Fars ausrichten. Man stelle sich auf einen langen Konflikt ein. Der zweite Kriegsschauplatz liegt derweil im Süden der Arabischen Halbinsel. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz erklärt, sie habe Riad und den Aramco-Standort im Rotmeer-Hafen Yanbu mit Raketen und Drohnen beschossen, bestätigen lässt sich das von unabhängiger Seite bislang nicht. Ägypten, Jordanien und Kuwait haben den Beschuss der saudischen Hauptstadt verurteilt.
In New York beginnt in dieser Woche die UN-Vollversammlung, das jährliche Treffen der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, bei dem sich die Staats- und Regierungschefs am Rande der offiziellen Reden auch bilateral zusammensetzen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dort ein Gespräch mit US-Präsident Donald Trump vereinbart, von dem er sich nach eigener Aussage einiges für ein Kriegsende verspricht. Zeitgleich setzte Kiew seine Serie von Drohnenangriffen fort und traf in der Nacht zum Sonntag eine Raffinerie in der Region Moskau, während im Land die dreitägige Parlamentswahl auslief. Der Kreml kämpft deshalb mit Lücken in der eigenen Kraftstoffversorgung und hält seine Ausfuhrsperren für Benzin und Diesel länger aufrecht als geplant.
In Deutschland kostet der Liter Heizöl im Bundesschnitt heute 1,71 Euro und damit knapp vier Cent weniger als am Freitag. Die Nachfrage hat seit dem Preissprung Mitte vergangener Woche spürbar nachgelassen. Viele Verbraucher warten vermutlich ab, wie weit die Heizölpreise noch nachgeben können, bevor geordert wird.
In Österreich liegt der Tagesschnitt bei 1,91 Euro pro Liter und bewegt sich bis zum Mittag kaum. Die Schweiz zeigt heute die klarste Bewegung der drei Märkte, dort fällt der Liter auf 1,59 Franken nach 1,66 Franken am Freitag. Wer noch Vorrat im Tank hat, kann die Woche in Ruhe verfolgen, denn an den Gesprächen in New York hängt mehr als an jeder Tagesnotierung. Wer dagegen vor dem ersten kalten Wochenende bestellen muss, sollte die Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben.