Gasöl hat am Freitag kräftig nachgegeben, nachdem die G7-Staaten die Freigabe von 100 Millionen Barrel aus ihren Notvorräten angekündigt hatten. Zum Wochenstart holt der Preis einen Teil davon zurück, Brent und WTI bewegen sich dagegen kaum. Der Liter Heizöl kostet in Deutschland rund einen Cent mehr als am Freitag. In Österreich bleibt der Preis auf der Stelle, in der Schweiz zieht er um rund fünf Rappen an.
Die Nordseesorte Brent kostet am Montagvormittag 102,70 US-Dollar je Barrel und damit kaum mehr als zum Wochenschluss. Die amerikanische Sorte WTI notiert bei 90,94 US-Dollar. Gasöl, aus dem Raffinerien Diesel und Heizöl herstellen, wird an der Londoner Börse ICE mit 1.410,00 US-Dollar je Tonne gehandelt und liegt damit gut 56 US-Dollar über dem Freitagsschluss.
Die Ankündigung der G7-Staaten setzte die Gasölpreise am Freitag unter Druck. Die Gruppe, deren Vorsitz derzeit Frankreich innehat, gibt zusammen 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus ihren strategischen Vorräten ab. Verteilt wird die Menge über vier Monate, organisiert von der Internationalen Energieagentur IEA, wobei in den ersten 20 Tagen größere Diesel-Mengen den Anfang machen sollen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begründete den Schritt damit, dass die Märkte ein eindeutiges Zeichen bräuchten. Vorausgegangen war erheblicher Druck aus Washington, das Deutschland und Frankreich zuvor mit einem Lieferstopp für US-Diesel gedroht hatte. US-Präsident Donald Trump verkündete die Einigung noch am Freitagnachmittag über seine Plattform Truth Social. Zugleich sagten sich die sieben Staaten zu, einander beim Energiehandel keine Ausfuhrsperren aufzuerlegen.
Schon im März hatte die IEA eine Freigabe von 400 Millionen Barrel vereinbart. Deutschland hat davon nach Branchenangaben bislang erst 23 Prozent geliefert, andere europäische Länder hinken ebenfalls hinterher, während die USA ihren Anteil bereits abgegeben haben. Hinzu kommt das Kalkül in Washington. Vor den Zwischenwahlen im November hat die US-Regierung ein handfestes Interesse daran, die Dieselpreise zu drücken.
Von der Angebotsseite kommt sonst wenig Entlastung. Die sieben Staaten der OPEC+, die ihre Förderung seit Anfang 2024 freiwillig zusätzlich gedrosselt haben, beließen ihre Vorgaben für November am Sonntag unverändert. Dazu zählen Saudi-Arabien, Russland, der Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und Oman. Ob sie diese Mengen überhaupt erreichen, ist die eigentliche Frage, denn die Förderländer am Persischen Golf bleiben nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters deutlich unter ihren Zielmarken. Ihre Ausfuhren schwankten zuletzt zwischen 60 und 80 Prozent des Normalwerts. Am Markt war mit der Entscheidung gerechnet worden, entsprechend ruhig blieben die Börsen.
Für europäische Käufer kommt eine Nachricht aus Riad hinzu. Saudi Aramco verlangt im November quer durch alle Sorten 3 US-Dollar mehr je Barrel von Abnehmern in Nordwesteuropa. Für Asien senkte der Konzern die Preise im Gegenzug auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren, offenbar als Ausgleich für die explodierten Frachtkosten. Ein Großtanker für zwei Millionen Barrel kostet auf der Route vom Persischen Golf nach China inzwischen 1,2 Millionen US-Dollar am Tag. Vor einem Jahr waren es rund 80.000 US-Dollar.
An der Straße von Hormus selbst ändert sich derweil nichts. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte am Sonntag, die Meerenge werde erst geöffnet, wenn sieben Bedingungen aus einem Interimsabkommen mit den USA vom Juni erfüllt seien. Dass die Ausfuhren aus der Region trotzdem anziehen, liegt an den Umwegen. Saudi Aramco verkauft seit September große Mengen über Umladungen von Schiff zu Schiff jenseits der Meerenge. An vier Tagen der letzten Septemberwoche lagen die Rohölausfuhren aus dem Nahen Osten laut Schifffahrtsdaten sogar über dem Vorkriegsniveau.
In Deutschland zieht der Liter im Tagesverlauf wieder an. Nach einem kurzen Rücksetzer am frühen Morgen kostet er im Bundesschnitt 1,65 Euro, rund einen Cent mehr als am Freitag. Anfang September lag der Liter noch unter 1,50 Euro, Mitte des Monats erreichte er sein Hoch, von dem er heute rund dreizehn Cent entfernt ist. Seit Ende September haben sich die Heizölpreise beruhigt, und der Oktober setzt diese Seitwärtsbewegung bislang fort. Die Bevorratungswelle ist mittlerweile in vollem Gange.
In Österreich tut sich an diesem Montag wenig. Der Liter kostet 1,83 Euro und damit praktisch so viel wie am Freitag, der Rückgang der vergangenen zwei Wochen verlief ohnehin gleichmäßig und langsam. Deutlich bewegter geht es in der Schweiz zu. Dort sprang der Preis am Vormittag nach oben und liegt mit 1,66 Franken rund fünf Rappen über dem Freitagswert.