Ein Post auf Truth Social hat am Donnerstagabend den Ölmarkt auf den günstigsten Stand seit April gedrückt. Trump sagte geplante Angriffe auf den Iran ab und stellte ein Abkommen in Aussicht. Teheran widersprach zwar prompt, aber genau diese Deeskalationssignale braucht der angespannte Markt. Die Ölpreise rutschten in Folge südwärts und nahmen Heizöl gleich mit an die Hand. Der flüssige Brennstoff kostet am Vormittag durchschnittlich drei Cent bzw. Rappen weniger pro Liter.
Die Nordseesorte Brent und die amerikanische Ölsorte WTI pendelten am Donnerstag zwischen Bullen und Bären hin und her und reagierten damit auf die rege Kommunikation Trumps auf Truth Social. Vormittags zogen die Kurse noch an, als die Nachwirkungen der Nachtangriffe eingepreist wurden. Zum Mittag hin gaben die Preise nach, als durchdrang, dass die Gespräche zwischen Washington und Teheran trotz allem weiterlaufen. Ein weiterer Trump-Post am frühen Nachmittag, der neue Angriffe ankündigte, sorgte für einen kurzen Aufwärtsschub.
Am Abend folgte die Wende. Trump erklärte in einem Post, alle Verhandlungsparteien hätten einem Abkommen zugestimmt. Er sagte die für denselben Abend geplanten Angriffe ab und sprach von einer bevorstehenden Unterzeichnung in Europa, möglicherweise schon am Wochenende. Die Straße von Hormus, jene enge Wasserstraße am Ausgang des Persischen Golfs, über die vor Kriegsbeginn täglich Millionen Barrel Öl in alle Welt verschifft wurden, solle unmittelbar nach Vertragsschluss wieder freigegeben werden.
Dass solche Aussagen Trumps immer einen Gegencheck wert sind, zeigte sich auch dieses Mal. Denn Baghaei, der Sprecher des iranischen Außenministeriums, widersprach umgehend. Alles, was über einen fertigen Deal kursiere, sei Spekulation. Teheran habe keinem Vertragstext zugestimmt und werde seine Kernpositionen bei den laufenden Verhandlungen verteidigen. Die Meerenge bleibe gesperrt. Ein ranghoher iranischer Militärkommandeur ergänzte, Energieexporte aus der Region seien künftig entweder für alle zugänglich oder für niemanden. Auch Israels Premier Netanyahu stellte klar, sein Land sei an keiner der laufenden Vereinbarungen beteiligt.
Nichtsdestotrotz quittierten die Terminmärkte Trumps Absage mit einem deutlichen Preisabschlag. Die Nordseesorte Brent kostete am Freitagmorgen 88,66 US-Dollar je Barrel, die amerikanische Ölsorte WTI stand bei 86,22 US-Dollar. Gasoil, der für den europäischen Heizölmarkt entscheidende Terminkontrakt an der Londoner Warenbörse ICE, gab mit 983,75 US-Dollar je Tonne knapp fünf Prozent nach. Brent hat damit erstmals seit April die 90 US-Dollar-Marke wieder unterschritten.
Der gestern von der OPEC veröffentlichte Monatsbericht wurde dagegen eher ignoriert. Demnach schrumpften die Ölvorräte der Industrieländer im April erheblich und lagen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Bereits das US-Energieministerium (DOE) meldete am Mittwoch einen weiteren Rückgang der amerikanischen Rohölvorräte für die erste Juniwoche. Anleger präferierten jedoch die Meldung über die ausbleibenden US-Angriffe.
Für Heizölkunden in Deutschland steht heute eine Preismarke, die zuletzt vor Wochen zu sehen war. Der Liter kostet aktuell 1,16 Euro, rund drei Cent weniger als gestern. Wer den Drei-Monats-Chart aufruft, sieht, wie weit sich der Markt von den April-Spitzen entfernt hat. Damals lagen die Höchstwerte über 1,55 Euro je Liter. Seitdem hat die Ruhe die Oberhand übernommen.
In Österreich liegt der Tagespreis bei 1,42 Euro je Liter, in der Schweiz bei 1,14 Franken. Wer seinen Tank in den kommenden Wochen auffüllen muss, findet heute ein Preisniveau vor, das noch vor zwei Monaten undenkbar schien. Jetzt wird es wieder spannend, wie viel die Heizölpreise noch abgeben können. Das bevorstehende Wochenende bietet sich an, den Tankinhalt zu checken und sich einen Zielpreis zu setzen, zu dem man nachtankt.