US-Präsident Trump hat am Wochenende neue Gespräche mit dem Iran angekündigt und einen geplanten Militärschlag gestoppt. Der Ölmarkt wittert eine Entspannung in der Straße von Hormus und schickt die Notierungen an den Börsen zum Wochenstart kräftig nach unten. Und die nehmen auch die Heizölpreise im Inland mit ins Gepäck. Heizöl kann zum Wochenstart deutlich abgeben.
An den Rohstoffbörsen ging es im frühen Montagshandel steil bergab. Brent aus der Nordsee rutschte auf 83,38 US-Dollar pro Barrel und verlor damit kräftig an Boden. Die US-Sorte WTI fiel im gleichen Tempo auf 79,50 US-Dollar. Auch Gasöl, aus dem Heizöl raffiniert wird, gab spürbar nach und notiert bei 1.235,00 US-Dollar pro Tonne. Das waren rund fünf Prozent weniger als zum Freitag.
Auslöser für den Börsenrutsch war ein Auftritt des US-Präsidenten am Sonntag. An Bord der Air Force One erklärte Trump, er habe einen groß angelegten Angriff auf den Iran abgesagt, nachdem mehrere Verbündete im Nahen Osten darum gebeten hätten, allen voran Saudi-Arabien. Noch am heutigen Montag sollten neue Verhandlungen beginnen, mit der Straße von Hormus im Mittelpunkt. Über diese Meerenge läuft in ruhigen Zeiten rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels. Entsprechend erleichtert reagiert der Markt auf die Aussicht auf Entspannung. Allerdings ist eine Einigung zwischen den USA und dem Iran zwingend nötig, um die Notierungen dauerhaft von ihren Hochständen zu bekommen. Dies hatte sich in der Vergangenheit als schwierig erwiesen.
Eine belastbare Lösung für die Meerenge steht bis heute aus. Aus Teheran kamen nach Trumps Meldung auch schon prompt die ersten Dementis. Ob nun Gespräche stattfinden, wird sich zeigen. Auf dem Wasser bleibt die Lage noch heikel. Am Eingang zur Straße von Hormus registrierte die britische Meldestelle UK Maritime Trade Operations übers Wochenende gleich mehrere Zwischenfälle. Vor der omanischen Küste bei Lima traf ein unbekanntes Projektil einen Tanker und beschädigte den Maschinenraum so schwer, dass das Schiff manövrierunfähig trieb. Verletzte gab es nicht. Vor Khasab meldeten Kapitäne zudem Explosionen in unmittelbarer Nähe ihrer Schiffe. Das Risiko auf den Seewegen ist also keineswegs gesunken, auch wenn die Kurse gerade das Gegenteil signalisieren.
Zudem haben die wichtigsten Mitglieder des Ölverbunds OPEC+ am Wochenende ihre Förderquoten erneut leicht angehoben, um 188.000 Barrel pro Tag. Praktisch umsetzbar ist der Schritt derzeit für keines der Länder, weil der Krieg die Produktion drückt. Kommt der Ölfluss aus dem Persischen Golf aber wieder in Gang, könnte vor allem Saudi-Arabien seine Mengen rasch ausweiten.
Die Heizölpreise können im Inland zum Wochenauftakt deutlich nachgeben. In Deutschland kostet Heizöl im Bundesschnitt aktuell 1,30 Euro pro Liter und damit rund drei Cent weniger als noch am Freitag. Der Juli hatte Verbrauchern einen kräftigen Anstieg beschert. Von rund 1,14 Euro Anfang des Monats kletterte der Liter auf über 1,33 Euro und verharrte zuletzt dicht unter seinem Hoch. Der heutige Rutsch am Weltmarkt dürfte nun wieder etwas Entspannung bringen.
In Österreich starten die Heizölpreise noch etwas verunsichert und bleiben nahe ihrer Freitagsstände von 1,64 Euro pro Liter. Die Schweiz notiert bei 1,42 Franken pro Liter und hat den Rückwärtsgang schnell eingelegt. Dort kann Heizöl rund sechs Rappen je Liter an Preisgewicht abwerfen. Wer dringend nachtanken muss und nur auf solch einen Rücksetzer gewartet hat, sollte die Preiskurve engmaschig weiterverfolgen. Sollten Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Aussicht gestellt werden, könnte es weiter runtergehen.