An den Ölbörsen geht die Aufwärtsbewegung weiter und hat die Notierungen auf den höchsten Stand seit Wochen gehoben. Seit Dienstagabend riegelt die US-Marine iranische Häfen wieder ab, und durch die Straße von Hormus kommt kaum noch ein Tanker. Auch Gasöl legt zu, weil die Raffinerieausfälle in Russland die Versorgung mit Diesel und Heizöl zusätzlich verknappen. Die Heizölpreise in Deutschland und Österreich steigen heute um durchschnittlich zwei Cent je Liter im Vergleich zum gestrigen Tagesmittel. In der Schweiz legen die Preise mit durchschnittlich fünf Rappen je Liter noch deutlich mehr zu.
An den Börsen setzt sich der Anstieg der vergangenen Tage fort. Das Nordseeöl Brent notiert am Morgen bei 86,21 US-Dollar je Barrel, knapp einen US-Dollar über dem Schluss vom Dienstag. Die US-Sorte WTI kostet 80,69 US-Dollar. Und auch die Gasölpreise haben seit Freitag um 16 Prozent zugelegt und markieren heute ein Sieben-Wochen-Hoch.
Grund für den anhaltenden Preisauftrieb ist die wieder eingesetzte US-Seeblockade. Seit Dienstagabend ist die Sperrung der iranischen Häfen erneut in Kraft. Nach Angaben des für den Nahen Osten zuständigen US-Kommandos CENTCOM sind mehr als 20 Kriegsschiffe und hunderte Militärflugzeuge in der Region im Einsatz. In der vierten Nacht in Folge flog das US-Militär Angriffe auf iranische Ziele und traf wohl Dutzende militärische Einrichtungen nahe der Straße von Hormus.
US-Präsident Donald Trump nahm derweil die von ihm geforderte Gebühr von 20 Prozent auf jede Fracht durch die Straße von Hormus zurück. An ihre Stelle sollen Handels- und Investitionsabkommen mit den Golfstaaten treten, wie er auf seiner Plattform Truth Social schrieb. Zugleich verschärfte Trump den Ton und drohte, kommende Woche iranische Kraftwerke und Brücken anzugreifen, falls Teheran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Eine ähnliche Drohung hatte er bereits im April ausgesprochen. Der Iran zeigt daran wenig Interesse. Die Revolutionsgarden kündigten an, keinen Tropfen Öl und Gas mehr aus der Region fließen zu lassen, solange die Angriffe andauern.
Am Markt zählt vor allem, wie wenig Öl derzeit durch die Meerenge gelangt. Ende Juni passierten noch rund 15 Millionen Barrel täglich die Straße von Hormus. In der vergangenen Woche war es weniger als ein Drittel davon, und die Menge sinkt weiter. Analysten sehen den physischen Markt zwar noch ausreichend versorgt. Sie warnen jedoch, dass eine weitere Eskalation oder zusätzliche Sanktionen die Risikoprämien rasch steigen lassen könnten. Nach oben bleibt damit Luft.
Zusätzliche Impulse liefern die US-Lagerdaten. Der Interessenverband der US-Ölindustrie, das American Petroleum Institute (API) meldete für die vergangene Woche einen leichten Rückgang der Rohölbestände und Benzinvorräte. Bei den Destillaten, zu denen Diesel und Heizöl zählen, verbuchte er dagegen einen Aufbau. Die offiziellen Zahlen des US-Energieministeriums folgen am Nachmittag und wiegen an den Börsen schwerer. Die jüngsten Monatsberichte des Förderbündnisses OPEC und der Internationalen Energieagentur IEA wirken eher preisdämpfend.
In Deutschland kostet Heizöl im Bundesschnitt 1,33 Euro pro Liter und damit gut einen Cent mehr als gestern. Der Aufwärtstrend der vergangenen Tage hält an und hat den Preis auf ein Niveau gehoben, das zuletzt Anfang Mai erreicht wurde. Wo man wohnt, macht dabei einen spürbaren Unterschied. Am wenigsten zahlen Kunden derzeit in Baden-Württemberg mit rund 1,28 Euro pro Liter, am teuersten ist Heizöl mit 1,40 Euro je Liter dagegen in Schleswig-Holstein. Das macht zwölf Cent Unterschied und bei einer 3.000 Liter Order rund 360 Euro mehr aus.
In Österreich zieht der Preis ebenfalls an und liegt im Schnitt bei 1,51 Euro pro Liter. In Tirol und Salzburg kletterten die Preise binnen eines Tages um mehrere Cent. In Wien und Vorarlberg blieben sie unverändert. In der Schweiz kostet Heizöl rund 1,36 Franken pro Liter. Auch dort ging es über Nacht kräftig nach oben, in den meisten Kantonen um etwa fünf Rappen.