Die Ölpreise legen am Mittwochmorgen wieder zu, während der Iran neue Gespräche mit den USA an Bedingungen knüpft. Heizöl wird in Deutschland heute leicht teurer. In Österreich und der Schweiz bewegen sich die Preise kaum.
Der Dienstag hatte an den Ölbörsen mit neuen Höchstständen begonnen. Bis zum Mittag kletterten Brent und WTI auf den höchsten Wert seit fünf Monaten, dann ging dem Anstieg die Luft aus. Als am Nachmittag der Handel in New York startete, trennten sich viele Händler von ihren Positionen, und die Preise rutschten deutlich ab. Bis zum Abend holten sie einen Teil davon auf, Brent schloss aber 0,76 US-Dollar tiefer bei 108,79 US-Dollar. Gasöl hielt sich dagegen nahezu unverändert. Heute Morgen kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent 110,41 US-Dollar, gut 1,60 US-Dollar mehr als zum Handelsschluss. Die US-Sorte WTI steht bei 99,23 US-Dollar. Gasöl, die Börsengrundlage für Heizöl und Diesel, verteuert sich auf 1.479,75 US-Dollar je Tonne und liegt damit rund 30 US-Dollar über dem Dienstagabend. Der Euro hält sich bei 1,12 US-Dollar.
Rückenwind bekommt Gasöl aus den USA. Der American Petroleum Institute, der Branchenverband der US-Ölindustrie, meldet kräftig gesunkene Lagerbestände. Die Rohölvorräte schrumpften binnen einer Woche um 4,9 Millionen Barrel, erwartet worden waren lediglich 0,3 Millionen. Bei Heizöl und Diesel fiel das Minus mit 2,6 Millionen Barrel doppelt so hoch aus wie vorhergesagt. Bestätigt die offizielle Regierungsstatistik diese Zahlen heute Nachmittag, lägen die amerikanischen Vorräte an Heizöl und Diesel so tief wie seit 23 Jahren nicht mehr. Washington sucht deshalb nach zusätzlicher Ware. Laut Reuters drängt das US-Energieministerium Raffinerien weltweit, mehr Kraftstoff herzustellen, damit der Diesel weniger knapp wird. Mengen oder Termine nannten zwei Vertreter des Ministeriums nicht. Etwas Entlastung könnte Russland bringen, das nach der Aussetzung von US-Sanktionen wieder Diesel nach Brasilien, in die Türkei und nach Marokko liefert. Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur IEA, sprach sich am Dienstag für eine rasche Freigabe staatlicher Reserven aus, vor allem bei Diesel.
Politisch kommt die Region nicht zur Ruhe. Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Nournews ließ ein iranischer Beamter den pakistanischen Vermittlern ausrichten, weitere Gespräche mit Washington gebe es erst, wenn Teheran seine Forderungen erfüllt sieht. Eine Delegation aus Katar ist inzwischen in Teheran eingetroffen, um die Vermittlung zwischen dem Iran und den USA am Laufen zu halten. Auf See hält die Unsicherheit an. Der iranische Staatssender IRIB meldet einen weiteren Supertanker, der in der Straße von Hormus auf eine Mine gelaufen sein soll, nennt aber keinen Schiffsnamen. Unabhängig belegt ist das bislang nicht. Wie stark der Verkehr leidet, zeigen Daten des Analysehauses Vortexa, das Tankerbewegungen auswertet. In den ersten 20 Oktobertagen passierten demnach rund 9,1 Millionen Barrel Rohöl täglich die Meerenge, die US-Regierung spricht von 20 Millionen.
Die Angriffe auf Schiffe schlagen sich direkt im Ölpreis nieder. Nach Berechnungen der US-Investmentbank Goldman Sachs kostet der Seetransport eines Barrels inzwischen im Schnitt rund 20 US-Dollar, vor einem Jahr waren es etwa drei. Brent lag vor den US-Angriffen auf den Iran Ende Februar bei rund 72 US-Dollar, heute sind es etwa 110. Knapp die Hälfte dieses Aufschlags entfällt damit allein auf die Frachtkosten. Solange Tanker im Persischen Golf beschossen werden, dürften sie hoch bleiben.
Beim Heizöl in Deutschland kommt von diesem Auf und Ab heute nur ein kleiner Aufschlag an. Der Liter kostet im Bundesschnitt 1,74 Euro, gut einen halben Cent mehr als gestern. Am deutlichsten zieht der Preis in Bremen und im Saarland an, jeweils um knapp zwei Cent, in Baden-Württemberg um gut einen Cent. Leicht günstiger wird Heizöl nur in Brandenburg, Sachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, jeweils um Bruchteile eines Cents. Am wenigsten zahlen Kunden in Hamburg mit 1,70 Euro, am meisten in Rheinland-Pfalz mit 1,78 Euro. Unter den Großstädten führt Köln mit 1,80 Euro, München liegt knapp zehn Cent darunter.
In Österreich kostet Heizöl heute im Schnitt 1,83 Euro je Liter und damit gut acht Cent mehr als in Deutschland. Von der Spitze Mitte September bei gut 1,90 Euro hat sich der Preis dort spürbar entfernt. In der Schweiz liegt der Durchschnitt bei 1,73 Franken und damit deutlich über dem Frühjahrshoch, als der Liter gut 1,64 Franken kostete.