Die Ölpreise haben am Montag kräftig zugelegt, nachdem sich die Lage am Persischen Golf weiter verschärfte. Als die USA im Rahmen ihres Projekts Freiheit erstmals Handelsschiffe militärisch durch die Straße von Hormus eskortierten, antwortete der Iran mit Angriffen auf US-Kriegsschiffe, Handelsschiffe und eine Ölanlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Waffenruhe wird damit auf eine harte Probe gestellt. Entsprechend fester zeigen sich auch die Heizölpreise, die im Schnitt zwei Cent bzw. Rappen je Liter nach oben ziehen.
Die Nordseesorte Brent legte am Montag zeitweise deutlich zu und schloss bei rund 114 US-Dollar je Barrel, die amerikanische Ölsorte WTI beendete den Tag über der 104-US-Dollar-Marke. Am Dienstagmorgen geben beide nach Gewinnmitnahmen erstmal wieder nach. Auslöser war der Start der US-Initiative Projekt Freiheit, bei der festsitzende Handelsschiffe im Persischen Golf unter militärischem Geleitschutz durch die Straße von Hormus geführt wurden. Zwei Handelsschiffe, darunter ein Maersk-Frachter, passierten die Meerenge erfolgreich unter US-Begleitung.
Teheran reagierte scharf und feuerte Marschflugkörper auf US-Kriegsschiffe, die abgewehrt werden konnten. Zudem traf eine iranische Drohne eine Ölanlage im Hafen Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten und löste dort einen Großbrand aus.
Die Angriffe lösten international scharfe Verurteilungen aus. Trump drohte Teheran auf Truth Social mit Vernichtung sollte der Iran weitere US-Schiffe angreifen. Bundeskanzler Merz forderte Teheran auf, die Blockade zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Araghchi ließ das auf X nicht unkommentiert und nannte Projekt Freiheit ein Projekt Sackgasse. Die Gespräche unter pakistanischer Vermittlung liefen weiter, versicherte er gleichzeitig. Die Bundeswehr verlegte derweil ihr Versorgungsschiff Mosel in Richtung Mittelmeer als Vorbereitung auf einen möglichen Einsatz an der Meerenge.
Was den Markt mittelfristig beschäftigen dürfte, ist ein strukturelles Problem, das noch nicht vollständig eingepreist ist. Exxon Mobil, Chevron und ConocoPhillips warnen, dass die globalen Ölreserven schneller schrumpfen als sichtbar. Goldman Sachs sieht die Bestände auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren zusteuern. Solange die Meerenge nicht zuverlässig passierbar ist, bleibt die Angebotsverknappung ein starker Preistreiber.
Mit den jüngsten Aufwärtsbewegungen an den Börsen bekommen auch die Heizölpreise im DACH-Raum wieder Rückenwind. In Deutschland geht es am Vormittag durchschnittlich zwei Cent nach oben, was den bundesweiten Durchschnittspreis auf knapp 1,37 Euro je Liter hebt. Das noch junge Mai-Mittel liegt mit 1,35 Euro leicht unter dem April, der mit durchschnittlich 1,38 Euro je Liter der teuerste Monat im laufenden Jahr war. Die Nachfrage bleibt bei diesem Niveau weiterhin gering.
In Österreich bewegt sich der Preis für Heizöl zwischen 1,64 und 1,65 Euro je Liter seitwärts und zeigt weitaus weniger Dynamik als beim Nachbarn. Zwischen diesen Marken pendelt sich auch der aktuelle Monatsdurchschnitt ein, ein Minus von 22 Cent gegenüber dem April-Mittel. Auch in der Schweiz werden um einen kantonweiten Schnitt von 1,36 Franken je Liter ruhigere Bahnen geschwommen. Die starken Schwankungen im April wurden mit dem Monatswechsel abgeschüttelt und auch dort geht es erstmal seitwärts.