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Gasölpreise ziehen kräftig an

An den Ölbörsen trennen sich heute Morgen die Wege. Rohöl schwankt nach dem Neustart einer saudischen Pipeline und neuen Gesprächen zwischen Washington und Teheran ohne klare Richtung. Gasöl zieht dagegen kräftig an. Die Bewegung kommt auch im Inland an, wo es heute wieder aufwärts geht. Im Durchschnitt sind es etwa zwei Cent bzw. Rappen je Liter.

Die Nordseesorte Brent notiert heute Morgen bei 99,28 US-Dollar pro Barrel und liegt damit knapp über dem Vortagesniveau. Gestern war sie zum ersten Mal seit zwei Wochen unter die Schwelle von 100 US-Dollar gerutscht. Die US-Sorte WTI steht bei 89,92 US-Dollar. Kräftiger bewegt sich das an der Londoner Terminbörse ICE gehandelte Gasöl, das Referenzprodukt für Heizöl und Diesel. Es klettert um gut vier Prozent auf 1.520,50 US-Dollar pro Tonne.

Für den Rohölmarkt ist New York in dieser Woche der wichtigste Schauplatz. Am Rande der UN-Generalversammlung, zu der jedes Jahr Staats- und Regierungschefs aus aller Welt anreisen, sprachen die USA und der Iran erstmals seit Monaten wieder miteinander. Katar vermittelte zwischen den Delegationen. US-Präsident Donald Trump fuhr dabei zweigleisig. Vor dem Plenum drohte er, die Islamische Republik rasch zu vernichten, falls es zu keiner Vereinbarung kommt. Am selben Tag verhandelten sein Sondergesandter Steve Witkoff und sein Berater Jared Kushner drei Stunden lang mit Irans Außenminister Abbas Araghtschi. Teheran verlangt unter anderem ein Ende der Seeblockade, die Freigabe seiner Vermögenswerte und ein Kriegsende an sämtlichen Fronten. Schon am ersten Punkt hakt es. Nach einem Bericht des arabischen Senders Al Arabiya lehnte Washington diese Forderung ab, gestützt auf einen US-Teilnehmer der Runde. Das Angebot, die Straße von Hormus binnen einer Woche freizugeben, steht damit auf wackligen Füßen. Trump selbst rechnet mit einem Abkommen erst nach den Kongresswahlen im November. Heute spricht der iranische Präsident Masud Peseschkian vor der Versammlung, während Hardliner-Medien in seiner Heimat ihn drängen, keinerlei Schwäche zu zeigen.

Die sechs Staaten des Golf-Kooperationsrats, eines Bündnisses der arabischen Monarchien am Persischen Golf, nutzten ihr gemeinsames Treffen mit Trump, um freie Fahrt durch die Straße von Hormus einzufordern. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron räumte im Sender ABC News ein, die Lage an der Wasserstraße sei vermutlich unterschätzt worden. Auf dem Wasser hat sich bislang wenig getan. Nach vorläufigen Schiffsdaten passierten am Dienstag ganze drei Rohstofffrachter die Meerenge. Im Zehn-Tage-Schnitt sind es rund 15. Etwas Luft verschafft sich Saudi-Arabien über seine Ost-West-Pipeline zum Hafen Janbu am Roten Meer. Inzwischen fließt dort wieder Öl, wenn auch vorerst mit gedrosselter Leistung. Mitte September hatten Drohnenangriffe der jemenitischen Huthi-Miliz die Leitung stillgelegt, und die Huthi haben eine Blockade saudischer Schiffe in diesen Gewässern angekündigt.

Auch über den Ukraine-Krieg wird am Rande der Generalversammlung gesprochen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beriet mit Trump über eine Waffenruhe im Energiesektor, die Kremlsprecher Dmitri Peskow zuvor zurückgewiesen hatte. Nach Selenskyjs Worten würden die Kämpfe enden, wenn China und Indien kein russisches Öl mehr kauften und Washington den Druck auf Moskau erhöhte. Heute treffen US-Außenminister Marco Rubio und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow aufeinander.

Bei den Produkten bleibt die Lage angespannt. Nach vorläufigen Zahlen des Branchenverbands American Petroleum Institute (API) schrumpften die US-Vorräte an Destillaten, zu denen auch Heizöl zählt, in der vergangenen Woche um 2,2 Millionen Barrel. Das ist gut viermal so viel wie erwartet. Weil der Bestand schon vorher sehr niedrig war, fällt jeder weitere Abbau ins Gewicht. Beim Rohöl meldet der Verband dagegen ein Plus von 1,8 Millionen Barrel. Diese Schere passt zum heutigen Bild an den Börsen.

Die Heizölpreise in Deutschland legen heute spürbar zu. Der Liter kostet im Bundesschnitt 1,70 Euro, über zwei Cent mehr als gestern. Nach einer Woche, in der es endlich bergab ging, ist das der erste deutliche Aufschlag, und er erfasst alle 16 Bundesländer. Die Spanne reicht von durchschnittlich 0,3 Cent im Saarland bis 5,2 Cent in Hessen.

In Österreich bleibt der Liter mit 1,89 Euro nahezu unverändert. In keinem Bundesland weicht der Preis um mehr als 0,4 Cent vom Vortag ab. In der Schweiz geht es dagegen kräftig nach oben. Im Schnitt kostet Heizöl dort 1,66 Franken pro Liter, je nach Kanton zwischen 4,2 und 5,4 Rappen mehr als gestern. Den Rückgang vom Montag haben die Schweizer Heizölpreise damit binnen zwei Tagen weitgehend aufgeholt.

Mit den fallenden Preisen zu Wochenbeginn hatten Verbraucher auf weitere Abschläge gehofft, die heute erstmal wieder passé sind. In der aktuellen Lage bleiben die Heizölpreise schwankungsanfällig. Der beste Berater für das Finden des richtigen Kaufzeitpunkts ist immer noch der Tank selbst. Neigen sich die Vorräte dem Ende bleibt nicht mehr viel Zeit, um zu bestellen. Dazu sollten auch die Lieferfristen im Auge behalten werden.

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