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Heizölpreise fallen auf 2-Monatstief

Die Aussicht auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hat die Ölpreise am Mittwoch auf Talfahrt geschickt. Brent und WTI verloren zeitweise fast acht Prozent. Mit im Gepäck die Heizölpreise, die gestern deutlich nachgaben und auch am Donnerstagmorgen weiter verlieren. Die Abschläge lockten zugleich die Nachfrage aus ihrem Versteck, die sich in den letzten Wochen lieber bedeckt hielt.

Die Rohölnotierungen erlebten gestern ihren stärksten Einbruch seit Wochen, als ein Bericht des US-Nachrichtenportals Axios die Händler an den Rohstoffbörsen ICE in London und NYMEX in New York in Aufruhr versetzte. Axios meldete, Washington und Teheran seien kurz davor, ein einseitiges Absichtspapier zu unterzeichnen, das den Weg für Friedensverhandlungen ebnen und schrittweise zur Wiederöffnung der Straße von Hormus führen soll. Brent als europäische Referenzsorte und WTI als amerikanisches Pendant verloren daraufhin zeitweise fast acht Prozent und rutschten unter die 100-US-Dollar-Marke. Erst als Trump am späten Nachmittag die nächste Droh-Keule schwang, stoppte die Abwärtsfahrt. Sollte Teheran das Papier ablehnen, würden die USA die Angriffe auf den Iran fortsetzen. Inzwischen kristallisiert sich ein gewohntes Muster in der US-iranischen Kommunikation heraus, das mit Vorsicht zu genießen ist. Eine Schlagzeile schürt Hoffnung, die nächste begräbt sie wieder.

Denn von Einigkeit ist bisher wenig zu spüren gewesen. Der iranische Parlamentspräsident Ghalibaf, der als Verhandlungsführer Teherans fungiert, bezeichnete den Axios-Bericht auf X als amerikanische Desinformation und nannte das Portal kurzerhand "Fauxios" (faux wie falsch). Eine iranische Regierungsquelle bestätigte der Nachrichtenagentur Tasnim, dass Teheran den US-Vorschlag wegen inakzeptabler Klauseln noch nicht beantwortet habe.

Damit huschen die Schlagzeilen wie Schreckgespenster übers Börsenparkett und geben den Ölpreisen weiterhin einen breiten Schwankungsraum. Das zeigt sich auch im Umgang mit den jüngsten Lagerbestandsdaten des US-Energieministeriums DOE, die eigentlich für sich sprechen: Rohöl minus 8,1 Millionen Barrel, Benzin minus 6,1 Millionen, Destillate minus 4,6 Millionen, alle drei Werte deutlich über den Erwartungen der Analysten. In einem anderen Marktumfeld hätte das die Preise nach oben getrieben. Dieser Tage aber wiegt die Hoffnung auf ein Friedensabkommen schwerer als knappes Angebot. Ob sie berechtigt ist, könnte sich schon heute zeigen: Teheran soll noch am Donnerstag seine Antwort auf den amerikanischen Vorschlag an die pakistanischen Vermittler weitergeben.

Die gestrige Euphorie steckt noch in den Heizölpreisen und lässt diese in Deutschland auf aktuell knapp 1,24 Euro je Liter, in Österreich auf rund 1,62 Euro und in der Schweiz auf ca. 1,25 Schweizer Franken sinken. So ganz ist die Kuh aber noch nicht vom Eis, denn solange keine einvernehmliche Einigung von USA und auf dem Tisch liegt, sollte die Vorsicht ständiger Begleiter sein.

Fakt ist dennoch: Heizöl erreicht aktuell den niedrigsten Stand seit Wochen und bildet damit ein attraktives Preisfenster, um niedrige Tankfüllstände aufzufüllen. Der Blick auf den Chart zeigt, dass der flüssige Brennstoff zuletzt Anfang März so günstig war. Wer 3.000 Liter zum heutigen deutschen Preis ordert, zahlt gut 300 Euro weniger als noch zu Wochenbeginn. Die Nachfrage hat das offenbar registriert und sich nach Wochen der Zurückhaltung wieder etwas aus der Deckung gewagt. Das macht das aktuelle Preisgefüge spannend für alle, die noch Spielraum im Tank haben und auf einen noch günstigeren Moment spekulieren. Und günstig für alle, bei denen der Tankzwang bereits anklopft.

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