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Ölbullen behalten die Oberhand

Die Ölpreise haben am Dienstag kräftig zugelegt und halten dieses Niveau auch am Mittwoch. Angetrieben hat sie der Bruch zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran, denn Abu Dhabi stoppte nach einem gemeldeten Raketenangriff den Handel mit Teheran. Gespräche zwischen den USA und dem Iran finden ebenfalls nicht statt, und an immer mehr Ecken der Welt brodelt es derzeit. Die Heizölpreise ziehen in Deutschland und Österreich weiter an, in der Schweiz geben sie nach.

An den Börsen bewegt sich am Mittwochvormittag wenig, nachdem die Kurse am Dienstag deutlich zugelegt hatten. Brent, das Nordseeöl, notiert bei 91,43 US-Dollar je Barrel und behauptet sich damit über der Marke von 90 US-Dollar. Die US-Sorte WTI liegt praktisch unverändert bei 85,36 US-Dollar. Der Gasölkontrakt an der Londoner Warenterminbörse ICE, an dem der Heizölpreis hängt, gibt leicht auf 1.300,00 US-Dollar je Tonne nach. Nach zwei kräftigen Handelstagen nehmen dort einige Marktteilnehmer Gewinne mit. Der Euro klettert auf 1,16 US-Dollar und verbilligt die in US-Dollar gehandelte Ware für europäische Abnehmer.

Nach Angaben des emiratischen Verteidigungsministeriums feuerte der Iran am Dienstag zwei ballistische Raketen in Richtung der Vereinigten Arabischen Emirate. Sie hätten dem Schiffsverkehr gegolten und seien ins Meer gestürzt. Abu Dhabi setzte daraufhin sämtliche Handelsbeziehungen und Finanztransaktionen mit Teheran bis auf Weiteres aus. Der iranische Außenamtssprecher wies die Angriffe allerdings zurück. Nach Angaben der Emirate wurden allein in diesem Monat sieben ihrer Schiffe angegriffen.

Der Konflikt könnte auch Europa erreichen. Die Financial Times berichtet unter Berufung auf zwei Insider aus dem iranischen Machtapparat, Teherans Streitkräfte hätten Angriffe auf amerikanische Militärziele in Südosteuropa geprüft, für den Fall, dass Trump weiter an dem Krieg festhält. Genannt werden ein Luftwaffenstützpunkt in Bulgarien, den die USA seit einem Monat für Tankflugzeuge nutzen, sowie Zypern. US-Präsident Donald Trump erklärte am Dienstag, es gebe keine Gespräche mit dem Iran und es seien auch keine geplant. Die Seeblockade bleibe in vollem Umfang bestehen, die Straße von Hormus sei offen. Teheran widerspricht auch hier.

Die Schiffsdaten sprechen gegen Trump. Nach vorläufigen Zahlen des Analysehauses Kpler passierten am Dienstag sechs Frachter die Meerenge, am Montag waren es neun, im Zehn-Tage-Schnitt sind es elf. Vor dem Krieg lief ein Fünftel der weltweiten Rohöl- und Flüssiggaslieferungen über diese Route. Viele Kapitäne schalten inzwischen ihre Transponder ab, was die Erfassung zusätzlich erschwert. Insgesamt fehlen dem Weltmarkt seit Kriegsbeginn im Schnitt gut zehn Millionen Barrel Öl pro Tag. Einen Versorgungsausfall dieser Größenordnung hat es seit rund 70 Jahren nicht gegeben.

Auch abseits des Golfs wird die Versorgung angegriffen. Im Schwarzen Meer traf die Ukraine einen griechischen Öltanker, der zuvor russisches Öl am Terminal des Caspian Pipeline Consortium geladen hatte. Im Kaspischen Meer wurde nach iranischer Darstellung ein Schiff des Landes angegriffen, Teheran fordert von Kiew Entschädigung. Der Irak beschloss unterdessen, seine Ölausfuhren ab September für drei Monate verstärkt über Pipelines nach Jordanien, Syrien und in die Türkei zu leiten. Weil die großen Felder im Süden des Landes nicht an dieses Netz angeschlossen sind, dürfte das die Lage allenfalls leicht entspannen.

In Deutschland steigen die Heizölpreise am Mittwoch weiter. Der bundesweite Schnitt liegt am Morgen bei 1,36 Euro je Liter, das sind rund 0,8 Cent mehr als gestern. Am Mittag können sie jedoch ein Stück weit zurückkommen und zeigen sich insgesamt etwas weicher. Dennoch bewegt sich der Liter auf dem höchsten Stand der vergangenen Monate. Zuletzt war Heizöl im April so teuer.

In Österreich zieht der Liter um 0,2 Cent je Liter leicht an auf 1,63 Euro an und erreicht damit das Preisniveau von Mai. Die Schweiz geht den umgekehrten Weg. Dort sinkt der Preis um rund zweieinhalb Rappen auf 1,44 Franken je Liter. Dass sich die drei Länder an einem Tag in unterschiedliche Richtungen bewegen, kam in den vergangenen Wochen selten vor.

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