Die Ölpreise ziehen zum Wochenstart weiter an, Gasöl springt am Morgen um mehr als zwei Prozent nach oben. Über das Wochenende haben die USA und der Iran im Persischen Golf gegenseitig Schiffe angegriffen, drei iranische Tanker sind seither außer Betrieb. Mit den festen Vorgaben an den Börsen werden auch die Heizölpreise im Inland unterfüttert. Die Preise für den flüssigen Brennstoff verteuern sich im DACH-Raum um durchschnittlich drei Cent bzw. Rappen je Liter.
Die Nordseesorte Brent notiert aktuell bei 96,73 US-Dollar pro Barrel (+0,57 %), WTI bei 91,50 US-Dollar (+0,31 %). Gasöl, der Kontrakt an der Londoner Börse ICE, aus dem sich der Heizölpreis ableitet, kostet 1.424,75 US-Dollar pro Tonne und liegt damit gut 30 US-Dollar über dem Freitagsschluss. Der Euro steht bei 1,16 US-Dollar. Die Hochs vom Freitag sind bereits abgeräumt. Weil in den USA heute Labor Day gefeiert wird, dürfte der Handel heute dünner ausfallen.
Im Persischen Golf hat sich die Lage am Samstag weiter zugespitzt. Nach iranischem Raketenfeuer auf zwei US-Kriegsschiffe schlug das amerikanische Militär gegen drei Öltanker zurück. Die Downy vor der Ölinsel Charg und die Stark 1 nahe Jask sind seither fahruntüchtig, der leere Tanker Kylo sank im Golf von Oman. Das US-Regionalkommando Centcom verbreitete ein Video vom Untergang. Teheran meldete Gegenangriffe auf drei Schiffe mit US-Verbindung, bestätigen ließen sich diese Treffer für Samstag nach Angaben des Joint Maritime Information Center nicht.
Die Meerenge ist so leer wie seit dem Frühsommer nicht mehr. Nach Daten des Analysehauses Kpler passierten am Samstag zwei Frachter die Straße von Hormus, am Sonntag sechs. Seit Mittwoch hat kein Supertanker die Passage nach draußen geschafft, ein saudischer Produktentanker musste unterwegs umdrehen. Irans oberster Sicherheitsbeamter Mohsen Rezaei erklärte die Meerenge am Sonntag für vollständig geschlossen und stellte eine neue Sperrzone in Aussicht, die vor der Straße von Hormus beginnt und in den Persischen Golf hineinreicht. Wer sie befährt, landet auf der iranischen Sanktionsliste. Donald Trump hielt am selben Tag mit Grafiken dagegen, wonach die Ölmengen fast wieder auf Vorkriegsniveau flössen. Die Preise sprechen allerdings eine andere Sprache.
Von der OPEC+ kam am Sonntag keine Bewegung. Die Fördergrenzen für Oktober bleiben, wo sie sind. Am Markt war das so erwartet worden, und für die Preise spielt es kaum eine Rolle. Wer wegen der Blockade nicht verladen kann, produziert auch keine zusätzlichen Fässer. Analysten der Investmentbank Goldman Sachs halten Brent bei 120 US-Dollar für möglich, falls sich die Angriffe auf die Schifffahrt ausweiten.
In Deutschland kostet der Liter Heizöl heute 1,50 Euro und damit rund zwei Cent mehr als am Freitag. So teuer war Heizöl zuletzt im Frühjahr, als der Kriegsschock die Kurve erstmals nach oben riss. Die Nachfrage äußert sich dennoch als stabiles Grundrauschen. Die Preise sind zwar hoch, aber der nahende Herbst lässt sich nun mal nicht verschieben. Um teure Express-Lieferungen zu vermeiden, weil der Tank leergelaufen ist, sollten Verbraucher den Kaufzeitpunkt rechtzeitig planen. Österreich bleibt mit 1,71 Euro je Liter am Mittag noch auf Freitagsniveau, in der Schweiz zieht der Liter auf 1,52 Franken an und markiert damit den höchsten Stand seit April.