Am Freitag können die Ölpreise ihren Wochenverlust wieder etwas wettmachen, haben zum Wochenende dennoch knapp drei Prozent verloren. Im gestrigen Handel konnte Brent erneut kurz über 90 US-Dollar steigen, aber nicht behaupten. Zurückkehrendes Öl aus dem Persischen Golf verhindert größere Ausschläge nach oben. Dennoch verabschieden sich die Heizölpreise im Inland mit leichten Aufschlägen ins Wochenende, sodass die Woche in Deutschland preislich so endet, wie sie anfing. In der Schweiz geben diese auf Wochensicht nach.
Brent, das Öl aus der Nordsee, kostet am Mittag 89,43 US-Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI 83,08 US-Dollar. Gasöl, aus dem in den Raffinerien Heizöl und Diesel werden, liegt bei 1.253,75 US-Dollar je Tonne. Auf der bullishen Seite treiben Meldungen aus dem Russland-Ukraine-Krieg und anhaltende Tankerangriffe in der Straße von Hormus die Notierungen immer wieder nach oben.
Dennoch verhindert die Hoffnung auf eine baldige Öffnung der wichtigen Wasserstraße und ein wachsendes Angebot an Rohöl einen stärkeren Ausbruch gen Norden. So hat der Irak seine Ausfuhren ausgeweitet, und nach Einschätzung der US-Investmentbank Goldman Sachs erreichen die Exporte aus dem Persischen Golf wieder zwei Drittel des Vorkriegsniveaus. Ein großer Teil davon läuft über verdeckte Tankertransporte, weshalb sich die tatsächlichen Mengen allerdings kaum genau beziffern lassen. Für den Markt reicht jedoch die Aussicht auf mehr Öl, sodass die Preise gedeckelt bleiben.
Zumindest laufen die Verhandlungen weiter. Katar will die Gespräche zwischen Washington und Teheran wiederbeleben, der Iran verhandelte mit dem Oman über einen gemeinsamen Korridor durch die Meerenge. Außenminister Abbas Araghtschi hält eine Rückkehr an den Verhandlungstisch für möglich, sollten die USA ihren Druck lockern. Allerdings zieht das Weiße Haus die Stoppkelle und ist für Gespräche mit dem Iran nicht bereit. So sollen Wirtschaftssanktionen dazu beitragen, dass Teheran die US-Bedingungen akzeptiert.
Als Unsicherheitsfaktor bleibt Russland im Blick. Die ukrainischen Angriffe treffen vor allem die Raffinerien und lassen einen erheblichen Teil der Kraftstoffproduktion ausfallen. Neu ist, dass Moskau dem Iran offen Hilfe beim Umgehen der US-Sanktionen zusagt. Zusammen mit der jüngsten Warnung Washingtons an den Kreml, kein Nato-Land anzugreifen, verschiebt sich der Konflikt stärker auf die Achse zwischen Moskau und Teheran.
Den Tagesverlauf bestimmt am Nachmittag die US-Notenbank. In Jackson Hole spricht Fed-Chef Kevin Warsh um 16 Uhr über die Zinsen. Deutet er höhere Sätze an, dürfte der US-Dollar anziehen und Öl für Käufer außerhalb der USA verteuern. Der Euro notiert derzeit bei 1,16 US-Dollar. Etwas Gegengewicht liefert die Opec+, die ihre Förderung im September erneut leicht anhebt.
Im Inland starten die Heizölpreise mit leichten Aufschlägen in den Tag, die sie auch am Mittag verteidigen. Damit verharrt der Heizölpreis auf einem bundesweiten Mittel von knapp 1,34 Euro je Liter bei einer Abnahme von 3.000 Litern. Das entspricht in etwa dem Preis, mit dem die Woche begann. Seit Ende Juli hat sich die Marke von 1,33 Euro durchgesetzt, um die sich die Heizölpreise seitdem drehen. Zumindest gab es ab und an ein paar Ausflüge nach unten, die Verbraucher nutzten, um nachzutanken. Zwischen Nord- und Süddeutschland bleibt der Spielraum weiterhin groß. Über zehn Cent mehr zahlen Ölheizer in Schleswig-Holstein für den Liter des flüssigen Brennstoffs als Verbraucher in Bayern oder Baden-Württemberg.
Die Nachfrage zieht nun auch wieder an. Über den Sommer haben sich viele Haushalte zurückgehalten, und auf fallende Preise gesetzt. Käme die erste Kälte, könnte sich der Kaufstau rasch in einer Bestellwelle entladen. Daher ist es ratsam immer die Lieferfristen im Auge zu behalten.
In Österreich kostet der Liter 1,60 Euro und bleibt weiterhin zurückhaltend in seiner Preisbewegung. In der Schweiz klettern die Heizölpreise auf 1,37 Franken je Liter im landesweiten Durchschnitt. Im Vergleich zum Wochenauftakt konnte der Preis dennoch drei Rappen je Liter abwerfen.