Die Ölpreise ziehen heute früh wieder an und holen den Rückgang vom Montagabend zu großen Teilen auf. Ein Medienbericht über mögliche Zugeständnisse der USA an den Iran hatte sie zuvor nach unten gedrückt, das Dementi von US-Präsident Donald Trump in der Nacht sorgte für die Gegenbewegung. Die gestrige Abwärtsbewegung an den Börsen lässt die Heizölpreise im Inland, je nach Region, mit kleineren Auf- und Abschlägen starten.
Die Nordseesorte Brent kostet heute früh 106,94 US-Dollar pro Barrel, ein Plus von 0,82 Prozent. Die US-Sorte WTI legt um 0,59 Prozent auf 93,84 US-Dollar zu. Gasöl tritt mit 1.443,50 US-Dollar pro Tonne auf der Stelle, nachdem Händler dort bereits am Montagnachmittag Gewinne mitgenommen hatten.
Den Rückgang hatte das US-Nachrichtenportal Axios ausgelöst. Mit Verweis auf Quellen in der US-Regierung berichtete es am Montagabend, Trump sei bereit, Teheran bei konkreten Fortschritten im Atomprogramm wirtschaftlich entgegenzukommen, etwa durch gelockerte Strafmaßnahmen und den Zugriff auf blockiertes Vermögen. Die Ölpreise gaben daraufhin nach. Noch in der Nacht widersprach Trump in einem Post auf Truth Social, sprach von einer Falschmeldung und erklärte, er habe dem Iran „NICHTS angeboten“. Mit dem Dementi erholten sich die Preise dann auch zügig.
Teheran sucht unterdessen eigene Auswege aus der Seeblockade der US-Marine. Laut dem Parlamentsabgeordneten Meisam Zohourian hat sich der Güterverkehr per Bahn von China in den Iran seit Beginn der Blockade verzehnfacht. Über Land und Schiene ließen sich demnach rund 400.000 Barrel Öl am Tag transportieren. Deutlich schärfer klingt Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf. Werde die Sicherheit seines Landes nicht garantiert, sei in der Region keine Energieanlage sicher, warnte er am Dienstag.
Das ukrainische Militär hat erneut Ölanlagen in der russischen Region Krasnodar angegriffen, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag mitteilte. Moskau rüstet derweil weiter auf. Kremlchef Wladimir Putin hat angeordnet, die Truppenstärke um 15.500 auf 1,55 Millionen Soldaten zu erhöhen, und für 2027 plant die Regierung laut Reuters Rüstungsausgaben von umgerechnet rund 178 Milliarden Euro. Auch aus Nordkorea soll Russland Verstärkung erhalten. Mehr als 8.000 nordkoreanische Soldaten seien bereits im Land, weitere 10.000 würden derzeit ausgewählt und ausgebildet, um anschließend verlegt zu werden, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Eine Stellungnahme aus Moskau oder Pjöngjang liegt dazu nicht vor. In seiner abendlichen Videoansprache erklärte Selenskyj unter Berufung auf ukrainische Geheimdienste, Russland habe bereits eine zusätzliche Mobilmachung eingeleitet. Putin hat solche Pläne bislang stets zurückgewiesen.
Mit dem nahenden Oktober beginnt am Donnerstag die offizielle Heizperiode, mehr als unpassend, wenn man den Chart betrachtet. Im Vergleich zu gestern halten sich die Heizölpreise am Vormittag noch stabil. Der Liter kostet im deutschen Bundesschnitt knapp 1,69 Euro und damit etwa 0,2 Cent mehr als gestern. Ähnlich zeigt sich auch der Preisverlauf in Österreich und der Schweiz, wo Heizöl aktuell durchschnittlich 1,86 Euro bzw. 1,64 Franken je Liter kostet. In allen drei Ländern bewegen die Heizölpreise, mit leichtem Abstand, in der Nähe ihrer diesjährigen Preisspitzen.
Über den gesamten Monat betrachtet hat sich Heizöl kräftig verteuert. Anfang September zahlten Verbraucher in Deutschland etwa 17 Prozent, in Österreich ca. 13 Prozent und in der Schweiz um die neun Prozent weniger für Heizöl.
Die Nachfrage erreichte Mitte September, als die Preise auf ihr Jahreshoch zuliefen, den höchsten Stand der vergangenen fünf Monate. Mit den kühler werdenden Temperaturen und der aufgestauten Nachfrage, die sich den Sommer über gebildet hatte, muss nun getankt werden. Wie viel, entscheidet der Blick in den eigenen Tank. Eine Teilbestellung verschafft Luft, ohne den gesamten Jahresbedarf auf dem aktuellen Preisniveau einzukaufen.