Am Persischen Golf haben die USA und der Iran in der zweiten Nacht in Folge Raketen, Drohnen und Kampfjets gegeneinander eingesetzt. Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ist daraufhin fast vollständig zum Erliegen gekommen, und Russlands neues Dieselexportverbot verknappt die Lage zusätzlich. Nach dem Brent-Höhenflug an die 80 US-Dollar-Marke, kommt die Ölsorte am Morgen wieder deutlich zurück. An den Heizölpreisen bleibt die Aufwärtsdynamik dennoch haften und katapultiert den flüssigen Brennstoff um durchschnittlich fünf Cent je Liter nach oben. In der Schweiz kann Heizöl zu gestern deutlich nachgeben und den steilen Anstieg teilweise wieder abbauen.
48 Stunden haben gereicht, um die Fortschritte von knapp einem Monat vom Tisch zu wischen. Das US-Regionalkommando CENTCOM, zuständig für den gesamten Nahen Osten, meldete am Mittwochabend erneute Angriffe auf rund 90 iranische Militärziele entlang der Küste. Über beide Nächte zusammen kommt das US-Militär damit auf 170 getroffene Standorte, darunter Luftabwehr, Drohnenlager, Küstenüberwachung und Marineinfrastruktur. Auch Bandar Abbas, der größte Hafen des Iran und Stützpunkt der Iranischen Revolutionsgarden, lag unter Beschuss. Auslöser war Irans Angriff auf drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus am Dienstag, in dessen Folge Trump die ohnehin brüchige Waffenruhe für beendet erklärte.
Teheran antwortete prompt. Die IRGC und die reguläre iranische Armee feuerten Raketen und Drohnen auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain und nach eigenen Angaben auch auf eine US-Radaranlage in Katar. Kuwait meldete, die Abwehr habe alles abgefangen, Bahrain bestätigte ebenfalls erfolgreiche Abfangmanöver. In der iranischen Provinz Khuzestan starben laut Vizegouverneur drei Menschen bei einem Angriff nahe der Stadt Ahvaz. Katar erhöhte zwischenzeitlich die Sicherheitsstufe und rief die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben, hob die Warnung aber später wieder auf.
Die unmittelbare Folge für den Ölmarkt liegt auf dem Wasser. Die Straße von Hormus, durch die in normalen Zeiten rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases fließen, steht praktisch still. Nach Daten der Reederei-Organisation Intertanko wagten sich zuletzt nur einzelne Schiffe über die von den USA gesicherte Route vor Oman. Auf der iranisch kontrollierten Nordroute fuhren noch rund zwanzig Tanker. Vor einer Woche waren es zusammen etwa siebzig, vor dem Krieg rund einhundertdreißig. Rund 6.000 Seeleute sitzen nach Angaben der UN-Schifffahrtsorganisation weiterhin auf Schiffen in der Region fest.
An den Börsen zeigten sich die Ölpreise heute Morgen noch unsicher. In den ersten Handelsstunden notierten die Kontrakte noch dicht unter ihren Vortageshochs, gaben dann aber spürbar nach. Brent, das Öl aus der Nordsee, steht aktuell bei 77,37 US-Dollar pro Barrel und damit rund drei Prozent im Minus. Das US-Öl WTI fällt auf 73,04 US-Dollar. Gasöl gibt mit knapp vier Prozent am stärksten nach und rutscht auf 1.052 US-Dollar pro Tonne.
In Deutschland bekommen Heizölkunden heute die Nachwirkungen des Mittwochs zu spüren. Der Liter kostet im Bundesschnitt 1,26 Euro und damit rund fünf Cent mehr als gestern. Der massive Sprung an den Börsen hinterlässt im Inland deutlich seine Spuren. Schleswig-Holstein liegt mit 1,31 Euro an der Spitze, das Saarland ist mit 1,23 Euro am günstigsten. Zuletzt war Heizöl Ende Mai so teuer. Die Nachfrage erleidet mit dem starken Anstieg eine Art Schockstarre. Jetzt heißt es abwarten, was der Markt in den nächsten Tagen hervorbringt. Österreich trifft es heute noch härter. Der Liter liegt im Tagesschnitt bei 1,44 Euro, in der Steiermark kamen über Nacht mehr als zehn Cent obendrauf, Tirol führt mit 1,49 Euro das Feld an. Einzig Vorarlberg hält sein Vortages-Niveau. Im Bundesdurchschnitt klettern die Heizölpreise auf ein neues Vierwochenhoch.
Die Schweiz geht einen eigenen Weg. Dort gibt der Liter heute nach und steht im Landesmittel bei rund 1,25 Franken. Viele Kantone verbuchen Abschläge von etwa fünf Rappen. Waadt bleibt am günstigsten, Graubünden am teuersten. Damit wird der steile Anstieg vom Vortag gut wieder abgearbeitet, dennoch bleibt im Vergleich zum Wochenauftakt ein Preisanstieg von rund sieben Rappen je Liter hängen.