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Ölpreise ignorieren erneute Spannungen am Golf

Nach dem Angriff auf einen Öltanker in der Straße von Hormus kam es am Wochenende zu gegenseitigen Militärschlägen zwischen den USA und dem Iran. Beide Seiten haben die Waffen inzwischen wieder ruhen lassen. Brent legte zu, gibt aber zum Wochenstart vollständig wieder ab. Gasoil bleibt dagegen fester. Die Heizölpreise im DACH-Raum starten erstmal mit Aufschlägen in die Woche.

Am Montagmorgen zeigen sich die Ölpreise verhalten. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet aktuell 72,31 US-Dollar, die amerikanische Ölsorte WTI steht bei 69,88 US-Dollar. Gasoil, der für den europäischen Heizölmarkt entscheidende Terminkontrakt an der Londoner Warenbörse ICE, notiert bei 903,25 US-Dollar je Tonne und liegt damit deutlich über dem Freitagsschluss.

Am Wochenende kam es wieder zu Zwischenfällen am Persischen Golf, die die Ölpreise kurzzeitig stützten. Der Supertanker Kiku, der in Katar Rohöl geladen hatte, wurde beim Verlassen des Persischen Golfs in der Straße von Hormus angegriffen. Washington machte Teheran dafür verantwortlich und flog Luftangriffe auf iranische Militäreinrichtungen, woraufhin die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain beschossen. Am Sonntag einigten sich beide Seiten nach Informationen des US-Nachrichtenportals Axios darauf, die Angriffe einzustellen.

Die technischen Gespräche sollen diese Woche nach Doha verlegt werden, mit dem Fokus auf der Kontrolle der Meerenge. Ob Teheran tatsächlich am Tisch sitzt, bleibt abzuwarten. Aus iranischen Regierungskreisen hieß es im Staatsfernsehen, man sehe nach den Luftangriffen und bei noch offenen Streitpunkten im Abkommen keinen Grund zur Teilnahme. Auch der direkte Draht zwischen US-Streitkräften und IRGC, auf den sich beide Seiten im Rahmenabkommen geeinigt hatten, ist laut Axios bislang noch nicht eingerichtet. Irans Außenminister Abbas Araghchi verschärfte am Sonntag in Bagdad den Ton und kündigte an, sein Land werde die Kontrolle über die Meerenge in den kommenden Wochen komplett übernehmen.

Dass die Ölpreise trotz all dem kaum gestiegen sind, wirkt auf den ersten Blick fremd. Laut einer Analyse des Nachrichtenportals Iran International, das sich auf Daten der Internationalen Energieagentur IEA stützt, liegt das aber weniger an einer tatsächlichen Erholung der Versorgung. Der Markt wird derzeit von Notmaßnahmen zusammengehalten. Die Industriestaaten haben seit Kriegsbeginn über 300 Millionen Barrel aus strategischen Reserven freigegeben, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate leiten ihre Exporte an der Meerenge vorbei. Vor allem aber ist die Nachfrage weltweit eingebrochen. China, der größte Rohölimporteur der Welt, hat seine Einfuhren demnach um rund 40 Prozent gedrosselt. Am Persischen Golf selbst liegt die Förderung weiterhin rund 45 Prozent unter dem Vorkriegsniveau. Insgesamt beziffert die Analyse den kumulierten Produktionsausfall auf etwa 1,3 Milliarden Barrel. Bis sich die Lage vollständig erholt hat, dürfte es mindestens bis Mitte 2027 dauern.

In Russland bestätigte Präsident Putin am Sonntagabend in einer Fernsehsitzung mit Vertretern der Regierung und der Ölindustrie, dass ein vollständiges Exportverbot für Diesel zur Debatte stehe. Russlands Energiebeauftragter Alexander Nowak soll das Thema heute erneut mit der Regierung besprechen.

Die Heizölpreise in Deutschland starten mit leichten Aufschlägen in die Woche. Im bundesweiten Durchschnitt liegt der Literpreis bei knapp 1,13 Euro. In Österreich kostet Heizöl aktuell 1,29 Euro je Liter, in der Schweiz 1,15 Schweizer Franken. Der kräftige Gasölpreisanstieg der letzten Tage wirkt sich auf die Inlandspreise aus, auch wenn Rohöl zum Wochenauftakt nachgeben kann. Die Sorge, dass die Preise nach den jüngsten Angriffen wieder nach oben drehen, hat dafür gesorgt, dass die Nachfrage am Wochenende zugelegt hat. Angesichts der weiterhin fragilen Lage an der Meerenge gilt für Verbraucher: Was man hat, hat man.

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