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Heizölpreise geben leicht nach

Am Rohölmarkt zeichnet sich schon wieder ein Überangebot ab, wie es sich schon vor Kriegsniveau andeutete. Während Brent und WTI den dritten Handelstag in Folge nachgaben, hielten sich Diesel und Heizöl deutlich besser, weil das Angebot an fertigen Kraftstoffen knapp bleibt. Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Doha brachten Fortschritte, aber keinen Durchbruch. Die Heizölpreise in Deutschland und der Schweiz geben zur Mittagszeit nach, in Österreich zieht der Durchschnitt minimal an.

Gestern setzte sich der Preisrückgang bei Rohöl fort, während Gasöl zeitweise auf ein Mehrwochenhoch kletterte, ehe Verkäufe den Anstieg wieder stoppten. Am Donnerstagmittag kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent 70,55 US-Dollar und damit so wenig wie seit vier Monaten nicht mehr. Die amerikanische Sorte WTI steht bei 67,51 US-Dollar. Gasöl, der für den europäischen Heizölmarkt entscheidende Terminkontrakt an der Londoner ICE, notiert bei 937,25 US-Dollar je Tonne. Der Euro handelt bei 1,14 US-Dollar.

Auslöser des Preisrutsches bleibt die Entspannung an der Straße von Hormus. Nach Daten des Analysehauses Kpler passierten allein am Montag 24 Frachtschiffe die Meerenge, und die Ölexporte aus der Golfregion liegen nach US-Angaben wieder über zehn Millionen Barrel pro Tag. Die indirekten Gespräche in Doha endeten unterdessen mit Fortschritten bei der Umsetzung der Waffenruhe, ein Durchbruch für eine dauerhafte Einigung gelang jedoch nicht. Strittig ist vor allem, wer die Wasserstraße künftig kontrolliert und ob Teheran nach Ablauf der gebührenfreien 60-Tage-Frist Transitgebühren erheben darf. Die nächste Runde soll erst nach den Trauerfeierlichkeiten für den getöteten Revolutionsführer Ali Chamenei stattfinden, die bis zum 9. Juli angesetzt sind.

Analysten rechnen derweil wieder mit jenem Überangebot, das der Markt schon im vergangenen Jahr erwartet hatte. Die Schweizer Großbank UBS senkte ihre Brent-Prognose für das dritte Quartal um 25 US-Dollar und erwartet für die zweite Jahreshälfte im Schnitt nur noch 80 US-Dollar je Barrel. Passend dazu dürfte die Förderallianz OPEC+ am Sonntag beschließen, ab August noch mehr Öl auf den Markt zu bringen. Mehr Angebot bedeutet für Verbraucher tendenziell sinkende Preise.

Die mit Spannung erwarteten Lagerdaten des US-Energieministeriums fielen gestern uneinheitlich aus und gaben dem Markt keine klare Richtung, nachdem der private Branchenverband API zuvor noch deutlich gesunkene Ölvorräte gemeldet hatte. Für festere Produktpreise sorgt weiterhin die Angebotsseite. Ukrainische Angriffe auf russische Ölanlagen, der Arbeitskampf in Norwegens Offshore-Branche und der Streik an der ExxonMobil-Raffinerie in Antwerpen verknappen das Kraftstoffangebot. Die UBS warnt in diesem Umfeld vor verfrühter Entwarnung, solange weniger Tanker in den Persischen Golf einlaufen als ihn verlassen.

In Deutschland gibt der Heizölpreis zur Mittagszeit nach und liegt im Bundesschnitt bei 1,15 Euro je Liter, knapp ein halbes Prozent unter dem Vortag. Der Anstieg der vergangenen Tage legt damit erst einmal eine Pause ein, der Rückgang beim Rohöl kommt mit Verzögerung auch bei den Verbrauchern an. Rund 60 Prozent des Kriegsaufschlags sind inzwischen wieder abgebaut. Regional entspannt sich die Lage vor allem im Norden und Süden Deutschlands.

In Österreich liegt der Tagesschnitt bei 1,29 Euro je Liter und damit minimal über dem Vortag. In der Schweiz rutscht der Mittelwert auf 1,14 Franken, nachdem er zur Wochenmitte noch spürbar angezogen hatte. Kurzfristig spricht wenig für kräftige Ausschläge in eine Richtung. Sollten sich Washington und Teheran auf eine dauerhafte Regelung für die Meerenge verständigen, hätten die Heizölpreise aber spürbares Abwärtspotenzial.

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