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Ölmarkt: Iran gibt Ball an Washington

Die Ölpreise starten mit Aufschlägen in die neue Woche. Am Persischen Golf hat sich über das Wochenende wenig bewegt. Die Meerenge bleibt für den regulären Schiffsverkehr weitgehend unpassierbar, und ein neues iranisches Gesprächsangebot an Washington wartet noch auf eine Antwort. Die Heizölpreise werden mitgezogen und starten etwa einen Cent bzw. Rappen je Liter teurer in die Woche.

Die Ölpreise befinden sich zum Wochenauftakt in einer Orientierungsphase und nehmen vorerst den gewohnten Weg nach oben. Brent-Rohöl aus der Nordsee legt um 1,6 % zu und kostet am Montagmorgen 107,60 US-Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) notierte bei 96,24 US-Dollar. Beide Kontrakte zeigten sich zum Wochenstart klar im Plus.

Was die Märkte heute beschäftigt, kam in den frühen Morgenstunden aus Teheran. Nach Informationen der US-Nachrichtenagentur Axios hat der Iran den USA einen neuen Vorschlag übermittelt: Öffnung der Straße von Hormus und Waffenstillstand, verbunden mit der Bedingung, das Atomdossier vorerst aus den Gesprächen herauszuhalten.

Offiziell bestätigt ist das noch nicht. Aus Washington hieß es, Präsident Trump werde am Montag sein Sicherheits- und Außenpolitikteam zusammenrufen, um die festgefahrene Lage zu besprechen.

Irans Außenminister Abbas Araghchi ist derweil in St. Petersburg eingetroffen, wo ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf dem Programm steht. Araghchi will den Kremlchef über den aktuellen Stand der Kriegsentwicklungen informieren und die Positionen beider Länder koordinieren.

Russland hat den Iran seit Kriegsbeginn diplomatisch unterstützt und gilt als wichtige Rückversicherung Teherans gegenüber westlichem Druck. Zuvor hatte Araghchi Pakistan besucht, das derzeit als Vermittler zwischen Teheran und Washington fungiert, sowie Oman, das als diskreter Gesprächskanal in der Region gilt. In Islamabad ging es nach iranischen Angaben um die Bedingungen für ein Kriegsende: Aufhebung der Seeblockade, Entschädigungen und Garantien gegen weitere Angriffe.

ICE Gasöl, der an der Londoner Intercontinental Exchange gehandelte Terminkontrakt, der den europäischen Heizöl- und Dieselmarkt direkt beeinflusst, notierte zuletzt bei 1.283,75 US-Dollar je Tonne, ein Plus von 2,72 Prozent gegenüber Freitag.

Wie stark die US-Seeblockade den iranischen Ölexport tatsächlich einschränkt, ist unter Marktbeobachtern weiterhin umstritten. Frachtdaten zeigen, dass der Iran trotz der Maßnahmen weiterhin Mengen exportiert, über längere Umwege, mit Tankern unter wechselnden Eigentümern und ohne eingeschaltete Positionssender.

Gleichzeitig sind Frachtkosten und Versicherungsprämien spürbar gestiegen, die Lieferwege länger geworden. Der Druck auf Teherans Exporterlöse wächst, auch wenn kein vollständiger Lieferstopp erreicht wurde.

Vor diesem Hintergrund hat Goldman Sachs, die US-amerikanische Investmentbank, ihre Preisprognosen erneut angehoben. Für das vierte Quartal rechnen die Analysten nun mit einem Brent-Durchschnitt von 90 US-Dollar je Barrel, zuvor waren es 80 US-Dollar. Für das laufende Quartal erwartet die Bank ein Angebotsdefizit von 9,6 Millionen Barrel täglich, ein Niveau, das der Markt auf Dauer nicht auffangen kann. Die erhoffte Erholung der Golfexporte wurde von Mitte Mai auf Ende Juni verschoben.

Solange keine direkten Gespräche zwischen Washington und Teheran stattfinden, bleibt die Grundtendenz am Markt aufwärtsgerichtet. Das iranische Angebot hat an den Aktienmärkten bereits für Erleichterung gesorgt. Beim Öl überwiegt vorerst die Zurückhaltung.

In Deutschland liegt der Heizöl-Durchschnittspreis heute bei rund 1,34 Euro je Liter. Der Blick auf den Dreimonatschart von zeigt, wie weit der Markt in kurzer Zeit gereist ist: Im Februar war Heizöl noch für unter 95 Cent je Liter zu haben. Mit Ausbruch des Konflikts am Persischen Golf im März stiegen die Preise innerhalb weniger Wochen steil an, erreichten im April ihr bisheriges Hoch und haben sich seitdem auf erhöhtem Niveau stabilisiert.

In Österreich liegt der Durchschnitt heute bei 1,65 Euro je Liter, in der Schweiz bei 1,36 Franken je Liter. Trotz des Rückgangs vom Aprilhoch zeigt der Chart noch keinen echten Abwärtsdruck. Zu unsicher bewegen sich die Heizölpreise in der aktuellen Nachrichtenlage, als dass sich ein klarer Trend abzeichnen würde. Der Fokus liegt also weiter auf Beobachtung, anstatt auf impulsiven Kaufentscheidungen.

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