Die Golfstaaten drehen den Ölhahn schneller wieder auf als gedacht und am Rohölmarkt macht sich spürbare Entspannung breit. Vor dem langen Feiertagswochenende in den USA erholen sich die Ölpreise dennoch etwas von ihren jüngsten Verlusten. Bei Heizöl kommt davon wenig an. In Deutschland ziehen die Preise am Morgen leicht an, in Österreich und der Schweiz treten sie auf der Stelle.
Der gestrige Donnerstag brachte zunächst weitere Abgaben, ehe US-Arbeitsmarktdaten am Nachmittag den Dollar unter Druck setzten und die Notierungen zum Abend stützten. Am Freitagmorgen kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent 72,21 US-Dollar, die amerikanische Sorte WTI 68,98 US-Dollar. Gasöl, der für den europäischen Heizölmarkt entscheidende Terminkontrakt an der Londoner ICE, steht bei 940,00 US-Dollar je Tonne. Der Euro zeigt sich mit 1,15 US-Dollar etwas fester. Morgen feiern die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. An den Ölbörsen in London und New York wird deshalb schon heute nur verkürzt gehandelt, was für zusätzliche Kursschwankungen sorgen kann.
Die Entspannung am Persischen Golf schreitet derweil rasch voran. Kuwait hat seine Rohölförderung im Juni von 580.000 auf 1,65 Millionen Barrel pro Tag hochgefahren. Vor der Blockade der Straße von Hormus Ende Februar produzierte das Emirat rund 2,5 Millionen Barrel täglich. Auch Saudi-Arabien exportiert inzwischen wieder fast so viel Rohöl wie vor dem Krieg und chinesische Raffinerien greifen bei den Lieferungen aus Nahost kräftig zu.
Wie stark die Stimmung gedreht hat, zeigt ein Blick auf den Terminmarkt. Erstmals seit Jahresbeginn sind kurzfristige Brent-Lieferungen wieder billiger als spätere Termine, ein klassisches Zeichen für reichliches Angebot. Für Heizölkunden ist das eine gute Nachricht, denn die Zeiten, in denen Käufer für sofort verfügbares Öl einen Aufpreis zahlen mussten, sind vorerst vorbei. Analysten der US-Bank Citigroup halten bis zum Jahreswechsel sogar Brent-Preise von 60 bis 65 US-Dollar für möglich. Auf den Heizölpreis lässt sich das allerdings nicht eins zu eins übertragen, weil fertige Produkte wie Heizöl und Diesel derzeit deutlich knapper sind als Rohöl. Am Sonntag richtet sich der Blick zunächst auf die Förderallianz OPEC+, die eine weitere Anhebung ihrer Fördermengen ab August beschließen dürfte.
Ganz vom Tisch sind die Risiken allerdings nicht. Die nächste indirekte Gesprächsrunde zwischen Washington und Teheran soll Medienberichten zufolge Mitte Juli stattfinden. US-Präsident Donald Trump erklärte im Sender CNBC zwar, der Iran habe praktisch allen amerikanischen Forderungen zugestimmt, zentrale Fragen wie der Umgang mit dem hochangereicherten Uran gelten aber weiter als ungelöst. Schon an diesem Wochenende steht die Waffenruhe vor einer Belastungsprobe, wenn im Iran die sechstägigen Trauerfeierlichkeiten für den getöteten Revolutionsführer Ali Chamenei beginnen, zu denen Millionen Menschen erwartet werden. Die iranische Militärführung warnte die USA und Israel ausdrücklich vor Angriffen während der Trauerzüge. Beim Dauerstreit über die Kontrolle der Straße von Hormus zeichnet sich derweil ab, dass Durchfahrtsgebühren kaum noch zu verhindern sein dürften. Mehrere europäische Regierungen stellen sich nach Angaben von Eingeweihten bereits darauf ein, dass Reeder künftig Zahlungen an den Iran und den Oman leisten müssen.
In Deutschland verteuert sich Heizöl zum Wochenausklang leicht, der Bundesschnitt liegt am Vormittag bei 1,15 Euro je Liter. Die festeren Gasölkurse dürften nachwirken, für morgen deutet die Prognose auf weitere Aufschläge. Regional zieht diesmal fast die gesamte Fläche an, lediglich Sachsen-Anhalt wird günstiger.
In Österreich verharrt der Tagesschnitt bei knapp 1,30 Euro je Liter, in der Schweiz kostet Heizöl im Mittel 1,14 Franken, beide Werte liegen praktisch auf Vortagsniveau. Kurzfristig hält die Knappheit bei den Ölprodukten die Heizölpreise stabil. Verglichen mit den Frühjahrshochs sind die aktuellen Konditionen dennoch attraktiv, und wer Bedarf für die kommende Heizsaison hat, muss den Sommer nicht zwingend aussitzen. Alle anderen behalten die Prognosen im Blick.