Die Ölpreise knüpfen an ihre gestrigen Gewinne an und starten gestärkt in den Dienstagshandel. Brent legt deutlich zu und hat nun auch die 92 US-Dollar-Marke geknackt. Während der Iran-Krieg die Schlagzeilen liefert, kommt der derzeitige Schub vom knappen Angebot bei Diesel. Ukrainische Drohnen setzen Russlands Raffinerien zu, weshalb Moskau sein Ausfuhrverbot für Diesel bis Ende September aufrecht erhält. Der Nachschub bleibt damit knapp und der Gasölpreis hoch. Das zeigt sich im Inland, wo Heizöl erneut zulegt. Im Mittel sind es bis zu drei Cent bzw. Rappen je Liter.
An den Ölbörsen ging es auch am Dienstag nach oben. Brent, das Nordseeöl, notiert aktuell bei 92,47 US-Dollar je Barrel und hält sich fest über der Marke von 90 US-Dollar, während die amerikanische Sorte WTI bei 87,94 US-Dollar folgt. Deutlicher fällt die Bewegung bei Gasöl auf, jenem Kontrakt für Mitteldestillate, aus dem sich der Heizölpreis ableitet: Mit 1.342,00 US-Dollar je Tonne steht der Preis so hoch wie seit gut drei Wochen nicht mehr.
Der eigentliche Antrieb liegt bei den Kraftstoffen, wo gleich mehrere Faktoren zusammenkommen. Ukrainische Drohnen treffen weiter russische Raffinerien. Am Wochenende brannte die Anlage im südöstlich von St. Petersburg gelegenen Kirischi, die im Normalbetrieb große Mengen Diesel und Gasöl liefert. Weil Moskau zugleich sein Ausfuhrverbot für Diesel bis Ende September verlängert hat, um den eigenen Markt zu stützen, wird der Nachschub knapp. Und das schiebt Gasöl kräftiger an als das Rohöl. Neuer Ärger kündigt sich von der anderen Seite des Atlantiks an, wo der Tropensturm Edouard auf die US-Golfküste zusteuert und laut dem Nationalen Hurrikan-Zentrum der USA als Hurrikan auf Texas und Louisiana treffen könnte, das Herz der amerikanischen Raffinerie- und Förderanlagen.
Die geopolitische Kulisse bleibt weiter angespannt. Am Sonntag hatten US-Streitkräfte iranische Raketenwerfer auf der Insel Larak in der Straße von Hormus angegriffen, woraufhin der Iran mit Raketen und Drohnen auf US-Stützpunkte in Jordanien und den Emiraten zurückschlug. US-Präsident Donald Trump kündigte prompt weitere Vergeltung an und will den Iran, nach eigenen Aussagen, hart treffen.
Zwischen den Drohungen zeigen sich dennoch vereinzelte Hoffnungsschimmer. Beim Gipfel der von China und Russland geprägten Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit bot Irans Präsident Masoud Peseschkian am Dienstag an, zu einer im Juni geschlossenen Vereinbarung zurückzukehren, sobald Washington seine Zusagen wieder einhalte. Redebedarf mit dem Iran hat die USA derzeit aber nicht.
Heute ist meteorologischer Herbstanfang, und der September startet direkt auf hohem Niveau. Ein Liter Heizöl kostet im deutschen Schnitt jetzt 1,42 Euro, rund drei Cent mehr als gestern und damit den zweiten Tag in dieser jungen Woche teurer.
Wie weit es nach oben ging, zeigt der Rückblick auf den Sommer. Am günstigsten war Heizöl im Juni mit im Schnitt etwa 1,15 Euro je Liter. Danach stieg der Preis Monat für Monat, bis der August mit rund 1,32 Euro der teuerste Sommermonat wurde. Der September setzt noch einen drauf und liegt schon am ersten Tag über allen Sommerwerten. Wer im Juni bestellt hat, hat rückblickend den besseren Schnitt gemacht.
In Österreich und der Schweiz verlief der Sommer nach demselben Muster. Auch dort fiel der Tiefpunkt in den Juni, und auch dort führt der Weg seither nach oben. Der österreichische Landesschnitt steht heute bei 1,63 Euro je Liter, in der Schweiz kostet der Liter 1,44 Franken, in beiden Ländern beginnt der September damit so teuer wie kein Monat der warmen Jahreszeit zuvor.
Dazu kommt ein Punkt, der den Herbst mitbestimmen dürfte. Die Tanks in den Kellern sind gerade schlechter gefüllt als um dieselbe Zeit im Vorjahr. Viele Haushalte haben über den Sommer abgewartet und gehen jetzt mit weniger Vorrat in die kühle Jahreszeit. Wer bald nachlegen muss, aber auf günstigere Preise hofft, ist nicht gezwungen, den ganzen Tank auf einmal zu befüllen. Eine kleinere Bestellung überbrückt die ersten kalten Wochen und lässt Raum, später zu besseren Konditionen nachzuordern. Es bedarf in der aktuellen Lage halt einfach mehr Geduld.