Die Nordseesorte Brent steigt am Freitagmorgen auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr, während die Sorge vor einer neuen Eskalation mit dem Iran wächst. Die Heizölpreise in Deutschland ziehen heute spürbar an. In der Schweiz wird Heizöl ebenfalls teurer, in Österreich bleibt der Preis nahezu unverändert.
Am Donnerstagvormittag bauten die Ölpreise ihre Hochs der Vortage weiter aus. Nach einer zwischenzeitlichen Pause stiegen sie bis in den Abend weiter. Bei den Ölprodukten verkauften Händler zwischendurch, Gasöl schloss dennoch 13,25 US-Dollar höher bei 1.444,75 US-Dollar je Tonne. Auch in der Nacht blieben die Preise hoch. Brent erreichte am Morgen zeitweise 114,73 US-Dollar und damit den höchsten Wert seit dem 4. Mai. Aktuell kostet ein Barrel der Nordseesorte 114,37 US-Dollar, gut 1,20 US-Dollar mehr als zum Handelsschluss am Donnerstag. Die US-Sorte WTI steht bei 100,71 US-Dollar und liegt damit über der Marke von 100 US-Dollar, an der sie am Vortag noch abgeprallt war. Gasöl steigt auf 1.492,00 US-Dollar je Tonne, gut 47 US-Dollar über dem Donnerstagsschluss. Der Euro hält sich bei 1,12 US-Dollar.
Die Huthi-Miliz aus dem Jemen hat ihre Angriffe auf Saudi-Arabien verstärkt. Nachdem die USA am Mittwoch nicht benötigtes Personal und Familienangehörige aus dem Königreich abgezogen hatten, räumte am Donnerstag auch der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco seine Firmenzentrale. Die Hintergründe der Räumungen sind nicht bekannt. Händler und Analysten fürchten jedoch, sie könnten auf einen bevorstehenden Angriff der USA auf den Iran hindeuten. Die iranischen Revolutionsgarden wiederum wollen am Donnerstag sieben Schiffe in der Region angegriffen oder mit Seeminen beschädigt haben.
Dabei hat sich die Ausfuhr aus dem Nahen Osten nach Einschätzung von Analysten inzwischen weitgehend erholt. Den Preis treiben vor allem die hohen Transportkosten und die Angst vor einer neuen Eskalation. Aus Libyen kommt ein weiterer Störfaktor. Nach Angaben der staatlichen Ölgesellschaft NOC drangen Unbefugte in eine Übergabestation nahe der Raffinerie Zawiya ein und schlossen dort ein wichtiges Pipeline-Ventil. Die Förderung an den Ölfeldern Hamada und Tahara musste dadurch gedrosselt werden. Offizielle Angaben zur Höhe des Ausfalls gibt es noch nicht. Weil die Ausfallmenge eher gering ist, bleibt die Wirkung auf den Ölmarkt vorerst klein.
Die kurze Entlastung beim Heizöl ist schon wieder vorbei. Der Liter kostet im Bundesschnitt 1,74 Euro, knapp 1,8 Cent mehr als gestern, und steht wieder auf dem Niveau vom Mittwoch. Teurer wird es in allen Bundesländern. Am deutlichsten steigt der Preis in Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und im Saarland mit jeweils knapp drei Cent. In Berlin und Brandenburg ist es knapp ein Cent, in Sachsen-Anhalt bewegt sich der Liter kaum. Unter den Großstädten zahlen Kunden in Leipzig mit 1,69 Euro am wenigsten, in Hannover sind es knapp 1,80 Euro.
In Österreich hält sich der Heizölpreis bei 1,83 Euro je Liter und liegt damit gut acht Cent über dem deutschen Schnitt. In der Schweiz zieht der Durchschnitt dagegen um knapp 1,8 Rappen auf 1,74 Franken an.